Amokforscherin: Hass und Hetze sind Nährboden für Anschläge

Amokforscherin: Hass und Hetze sind Nährboden für Anschläge
23.02.2020
epd-Gespräch: Carina Dobra
epd

Nach dem rechtsterroristischen Anschlag in Hanau hat die Gießener Kriminologin Britta Bannenberg AfD-Fraktionschef Alexander Gauland scharf kritisiert. "Das perfide Spiel, das Gauland jetzt treibt, muss man unterbinden", sagte die Professorin in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie betonte weiter: "Selbst wenn man sagt, dieser Hanauer Einzeltäter war ein kranker Mensch, dann heißt das noch lange nicht, dass man keine Verantwortung für Hassreden und rechte Hetze trägt." Das sei schließlich der Nährboden solcher Taten. Gauland hatte die Vorwürfe einer Mitverantwortung für die Tat von Hanau zurückgewiesen und auf die geistige Verwirrtheit des Täters hingewiesen.

Der Täter von Hanau habe aus einer Mischung aus terroristischen und "ganz klar rechtsextremistischen" Motiven gehandelt, erklärte die Expertin. Im Gegensatz zu terroristischen Gruppen gehe es Einzeltätern vor allem um die Inszenierung ihrer Person, erklärte Bannenberg und ergänzte: "Sie wollen maximale mediale Aufmerksamkeit." Ähnlich sei es bei Anders Behring Breivik gewesen, der am 22. Juli 2011 auf der norwegischen Insel Utøya 77 vor allem junge Menschen tötete.

Die Kriminologin zeigte sich zudem besorgt über die Entwicklung der vergangenen Jahre. Die Täter hätten heute etwa nach den Anschlägen von Christchurch und Halle einige Vorbilder. "Wir wissen nicht: Welche fanatische Gruppe schlägt als nächstes zu? Sie triggern sich alle gegenseitig", sagte Bannenberg. Das "gesellschaftlich-nervöse Klima" steuere ebenso zu solchen Gewalttaten bei.

Die wichtige Konsequenz sei die Frage nach der Prävention, betonte die Expertin. Anders als Gruppentäter könne man Einzeltäter kaum durch den Staatsschutz erreichen. Einzeltäter äußerten sich in der Regel nicht etwa in Gruppenchats, höchstens einmal in einem Forum. Stattdessen müssten Familie, Freunde und Arbeitskollegen aufmerksam sein und mögliche Signale der Polizei melden.

Im hessischen Hanau hatte ein Mann am Mittwochabend nach Polizeiangaben in zwei Shisha-Bars neun Menschen erschossen. Die Polizei fand den mutmaßlichen Täter und dessen Mutter danach tot in deren Wohnung. Der Generalbundesanwalt sprach von einer "zutiefst rassistischen Gesinnung" des mutmaßlichen Täters.

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