Islamverbände fordern besseren Schutz für Muslime

Islamverbände fordern besseren Schutz für Muslime

Islamverbände haben nach der Gewalttat von Hanau ihre Forderungen nach mehr Schutz für Muslime in Deutschland erneuert. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte am Freitag in Berlin, es müssten zumindest die Moscheen geschützt werden, die schon in der Vergangenheit angegriffen worden seien. Von den rund 2.000 Moscheegemeinden in Deutschland betreffe dies einige hundert.

In der gegenwärtigen "akuten Phase", so Mazyek, bräuchten die Menschen ein Gefühl der Sicherheit. Die Warnungen muslimischer Verbände seien jahrelang überhört worden. Noch Anfang dieser Woche hätten die Verbände nach zahlreichen Bombendrohungen gegen Moscheegemeinden mehr Schutz gefordert. "Jetzt haben wir Tote", sagte Mazyek. Er forderte einen "Beauftragten für Muslimfeindlichkeit" analog zum Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung.

Die Verbände schlossen sich der Forderung der Integrationsbeauftragten Annette Widmann-Mauz (CDU) an, eine Expertenkommission zu berufen, die Maßnahmen zur Bekämpfung der Islamfeindlichkeit erarbeiten soll. Der allererste Schritt sei, das Problem endlich anzuerkennen und deutlich zu benennen, erklärte der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Zekeriya Altug. Wer den antimuslimischen Rassismus nicht klar benenne, mache sich mitschuldig. Der Koordinationsrat vertritt die größten Religionsgemeinschaften und damit nach eigenen Angaben die Mehrheit der Moscheegemeinden in Deutschland.

Es müsse nicht vor jeder Moschee ein Polizist stehen, sagte Altug: "Aber wir brauchen eine Sensibilisierung der Behörden, damit man bei Gefahr schneller reagieren kann." Es sei Aufgabe der Behörden, die Sicherheit von Moscheen zu garantieren. Bei einem für den Nachmittag geplanten Treffen mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wollten die Verbände ihre Forderungen vortragen.

Seehofer hatte zuvor einen verstärkten Schutz muslimischer Einrichtungen in Aussicht gestellt. Dies sei zumindest in der nächsten Zeit nötig, sagte er. Einzelheiten sollen von den Bundesländern entschieden werden.

Im hessischen Hanau hatte ein Mann am Mittwochabend nach Polizeiangaben in einer Shisha-Bar und einem Kiosk neun Menschen erschossen. Die Polizei fand den Mann und dessen Mutter danach tot in deren Wohnung. Der Generalbundesanwalt sprach von einer "zutiefst rassistischen Gesinnung" des mutmaßlichen Täters.

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