Baubeginn für Info-Zentrum der Hamburger NS-Deportationen

Baubeginn für Info-Zentrum der Hamburger NS-Deportationen

In der Hamburger Hafencity haben am Montag offiziell die Bauarbeiten für das neue Informations- und Dokumentationszentrum "Hannoverscher Bahnhof" begonnen. Von dem ehemaligen Güterbahnhof ließ das NS-Regime zwischen 1940 und 1945 insgesamt 20 Züge starten und deportierte rund 8.000 Juden, Roma und Sinti aus Norddeutschland in die Vernichtungslager im Osten. Vor dem symbolischen ersten Spatenstich wurde mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht. In gut drei Jahren soll die Dauerausstellung eröffnet werden.

Das neue Info-Zentrum ist Teil eines neuen Büro- und Hotelgebäudes am Lohsepark und soll auf rund 800 Quadratmetern über die NS-Verfolgung informieren. Die Erinnerung an die Deportationen müsse ihren Platz mitten im Alltag Hamburgs haben, weil auch die Verbrechen im Alltag der Stadt stattgefunden hätten, sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD).

Die geplante Dauerausstellung werde gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde und den Verbänden der Sinti und Roma gestaltet, betonte Detlef Garbe, Leiter der Stiftung Hamburger Gedenkstätten. Sie soll vor allem jüngere Menschen über die Verfolgung von Juden, Roma und Sinti in der NS-Zeit informieren.

Bereits im Mai 2017 wurde am Lohsepark der frei zugängliche Gedenkort "denk.mal Hannoverscher Bahnhof" eingeweiht. Zentrales Element ist eine 40 Meter lange "Fuge" aus Beton, die den einstigen Bahnsteig markiert. In dieser etwa zehn Meter breiten "Fuge" finden sich Tische mit den Namen von Opfern. Von den nachweislich 8.083 Deportierten sind 7.741 namentlich bekannt.

Im Frühjahr 1940 wurden erstmals 910 Roma und Sinti von hier aus nach Belzec (Polen) deportiert. Weitere Transporte gingen nach Riga, Auschwitz und Theresienstadt. Vor 75 Jahren, am 14. Februar 1945, startete der letzte Deportationszug mit Juden aus sogenannten Mischehen. Für fast alle Deportierten war es eine Zugfahrt in den Tod. Außerdem wurden vom "Hannoverschen Bahnhof" mehr als 1.000 politische Gegner des NS-Regimes in das "Bewährungsbataillon 999" abtransportiert, von denen mehrere Hundert in gefährlichen Kriegseinsätzen starben.

Meldungen

Top Meldung
Mann betet in Natur
In Zeiten der Corona-Pandemie bekommt der Karfreitag eine ganz besondere Bedeutung: Tod und Sterben sind ganz nah an die Menschen herangerückt. Die Kirchen rufen in diesem Jahr noch eindringlicher als sonst zu Hoffnung und Gottvertrauen auf.