Historiker warnt vor dem Opfermythos Dresden

Historiker warnt vor dem Opfermythos Dresden

Der Dresdner Historiker Johannes Schütz warnt vor einer Instrumentalisierung des Opfermythos Dresden durch die AfD. Bereits nach dem alliierten Bombenangriff auf die Stadt vor 75 Jahren "haben die Nationalsozialisten und ihr Propagandaminister Joseph Goebbels sofort angefangen, die Opferzahlen von Dresden hochzurechnen", sagte der Lehrbeauftragte an der Professur für Neuere und Neueste Geschichte an der Technischen Universität Dresden dem "Tagesspiegel" (Donnerstag). Die Rede sei damals von 250.000 Toten gewesen. Tatsächlich starben bei den Luftangriffen bis zu 25.000 Menschen in Dresden.

"Die AfD versucht nun, die alte Erzählung von weit höheren Opferzahlen wieder aufzuwärmen und den Opfermythos wiederzubeleben", sagte Schütz. Wer den Blick weglenken wolle von den Taten der Deutschen im Zweiten Weltkrieg, "nutzt dafür nicht selten das Gedenken an die deutschen Opfer".

Der Historiker verwies darauf, dass es auch in anderen Städten hohe Opferzahlen gegeben habe. So seien etwa in Hamburg 35.000 Menschen innerhalb von zwei Tagen gestorben.

Durch die nationalsozialistische Propaganda sei allerdings Dresden zum Symbol geworden für die deutschen Opfer im Zweiten Weltkrieg. "Die Nationalsozialisten brachten die Erzählung von der unschuldigen Kulturstadt in die Welt", erklärte der Historiker: "Und diese Erzählung hat sich hartnäckig gehalten, sie hat zum Entstehen eines Opfermythos beigetragen."

In der DDR sei die Erzählung von der sinnlos zerstörten Stadt übernommen und Dresden als Symbol benutzt worden. "Die Ruine der Frauenkirche diente bis zum Ende der DDR als Symbol dafür", so Schütz.