Bischof Marx: Papst lässt Tür zur Diskussion um Zölibat offen

Bischof Marx: Papst lässt Tür zur Diskussion um Zölibat offen

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat sich verständnisvoll zu dem mit Spannung erwarteten Apostolischen Schreiben zur Amazonas-Synode von Papst Franziskus geäußert. Er habe nicht erwartet, dass der Papst in seinem Brief grundsätzliche Fragen der Weltkirche klären werde, sagte Marx am Mittwoch in Bonn. "Unsere Probleme und theologischen Debatten können nicht in einem Text zu Amazonien gelöst werden." Er habe den Eindruck, den Papst habe es geärgert, dass die Amazonas-Synode, in der es vor allem um die Rechte indigener Völker und den Umweltschutz ging, im Westen auf das Thema Zölibat reduziert worden sei, sagte Marx, der auch Erzbischof von München und Freising ist.

Dennoch nehme der Papst das Thema Zölibat und auch die Frage nach der Zulassung von Frauen zum Diakonat nicht vom Tisch, erklärte der Kardinal. "Er macht hier keine Türen zu." Vielmehr habe der Papst mit seinem Schreiben zu weiteren Vertiefungen und zu Diskussionen eingeladen. Er verstehe den Papst so, dass er "Prozesse des Denkens anstoßen und vor zu einfachen Antworten warnen" wolle, sagte Marx.

Viele Katholiken hatten gehofft, dass der Papst in seinem Schreiben mit dem Titel "Querida Amazonia" ("Liebes Amazonien") die Weihe von verheirateten Männern als Maßnahme gegen den starken Priestermangel in abgelegenen Gemeinden in Amazonien zulässt. Das hatten die Teilnehmer der Amazonas-Synode im vergangenen Oktober mehrheitlich gefordert. Zugleich hatten sie für die Wiederaufnahme der Beratungen über das Diakonat der Frau gestimmt.

Eine Aufhebung der Verpflichtung zur Ehelosigkeit von Priestern in Amazonien hätte auch Auswirkungen auf West-Europa, wo ebenfalls ein Mangel an Priestern herrscht. Gegner der Weihe sogenannter viri probati, also bewährter, verheirateter Familienväter, lehnen eine Ausnahme-Regelung für das Amazonas-Gebiet ab, weil sie fürchten, dass dies der erste Schritt vom Ende des Zölibats sein könne.

Papst Franziskus erklärte in seinem Schreiben, es müsse ein Weg gefunden werden, um auch in abgelegenen Gebieten des tropischen Regenwaldes den priesterlichen Dienst zu gewährleisten. Zugleich rief er alle Bischöfe dazu auf, Priester in das Amazonasgebiet zu entsenden.

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