Kaminsky kritisiert fehlende NS-Aufarbeitung in der DDR

Kaminsky kritisiert fehlende NS-Aufarbeitung in der DDR

Die Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky, hat zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz die fehlende Aufarbeitung der NS-Zeit in der DDR beklagt. Auschwitz als zentraler Ort des Holocaust sei in der DDR "kein Thema" gewesen, sagte Kaminsky dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Samstag). Stattdessen seien Juden bis in die 1980er Jahre hinein selbst für ihr Schicksal verantwortlich gemacht worden. Ihnen sei zur Last gelegt worden, dem antifaschistischen Widerstand fern geblieben zu sein.

"Von einer differenzierten oder gar persönlichen Auseinandersetzung, die auch die Anerkennung von Verantwortung einschloss, war die DDR weit entfernt", sagte Kaminsky: "Man hat den Holocaust nicht als herausragendes Geschehen betrachtet."

Ein Wandel der offiziellen Erinnerungskultur sei erst nach dem Mauerfall eingetreten, sagte Kaminsky. So habe die erste frei gewählte Volkskammer 1990 rasch einen entsprechenden Beschluss gefasst, in dem "die Juden in aller Welt" und "das Volk in Israel um Verzeihung für Heuchelei und Feindseligkeit der offiziellen DDR-Politik" gebeten wurden.

Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer sagte dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" hingegen: "Es gab nicht nur einen verordneten Antifaschismus in der DDR, es gab auch einen ehrlichen Antifaschismus, der aus der menschlichen Anrührung kam." Dabei erinnerte er daran: "Die Rote Armee hat Auschwitz befreit. Das darf man nicht vergessen."

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