Politik und Gesellschaft nehmen Abschied von Manfred Stolpe

 Abschied von Brandenburgs langjährigem Ministerpräsidenten Manfred Stolpe

© dpa/Soeren Stache

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach bei einer Trauerfeier in der Nikolaikirche in Potsdam zum Abschied von Brandenburgs langjährigem Ministerpräsidenten Manfred Stolpe.

Politik und Gesellschaft nehmen Abschied von Manfred Stolpe
In der Potsdamer Nikolaikirche haben Politik, Kirche und Gesellschaft am Dienstag Abschied von Manfred Stolpe genommen. Der Bundespräsident würdigte den früheren Ministerpräsidenten Brandenburgs als Brückenbauer und "Meister des Dialogs".

Potsdam (epd). Mit einer Trauerfeier in Potsdam haben Vertreter aus Politik und Kirche sowie Familie und Weggefährten Abschied von Brandenburgs langjährigem Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (1936-2019) genommen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den SPD-Politiker und früheren Kirchenjuristen bei der Gedenkfeier in der evangelischen Nikolaikirche am Dienstag als Mann des Ausgleichs und der Verständigung. Stolpe starb am 29. Dezember nach langer Krankheit mit 83 Jahren.

"Wir trauern um eine politische Persönlichkeit", sagte Steinmeier: "Wir trauern um einen Brückenbauer, einen Meister des Dialogs, um einen Freund." Stolpe sei ein "Ostdeutscher, der den Ostdeutschen Mut machte" gewesen, sagte Steinmeier: "Er kämpfte um das Selbstwertgefühl der Ostdeutschen im geeinten Land." Die gesamte Bundesrepublik habe ihm viel zu verdanken.

"In einer Zeit der Extreme die Zuspitzung vermeiden, die Gewalt abzuwenden, Menschen zu schützen, das war sein Credo", betonte Steinmeier. Für die innere Einheit Deutschlands sei Stolpe von "überragender Bedeutung" gewesen. Er habe auch mit dem Herzen gespürt, was die Umbrüche für die Menschen bedeuten. Diese Geschichten müssten heute stärker Gehör finden.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) betonte, Stolpes Verdienste um Brandenburg seien groß. Er habe dem Land als erster Ministerpräsident "Gesicht und Stimme" gegeben. In der DDR habe er sich als Mittler zwischen Kirche und Staat und als "besonnener und mutiger Problemlöser" Verdienste erworben.

"Der Kampf gegen Rechtsextremismus, gegen Antisemitismus und gegen Menschenfeindlichkeit war ihm immer besonders wichtig", sagte Woidke: "Ihn ehren heißt, sein Werk fortsetzen." Dazu gehöre, den Menschen zuzuhören, das Miteinander zu pflegen sowie Frieden, Demokratie und Toleranz zu stärken und weiterzuentwickeln.

Der Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, sagte in seiner Predigt, Stolpe habe Brücken zwischen Ost und West gebaut. Er habe in der DDR als Mann der Kirche "Freiheitsräume in einem System der Unfreiheit" geschaffen und stehe für "praktisch gelebte Humanität". Als "Vater des modernen Brandenburg" habe er im Amt des Ministerpräsidenten Identität und Selbstbewusstsein gegeben, sagte Stäblein.

Die Erinnerung an Manfred Stolpe sei mit Freude und Dankbarkeit verbunden, sagte die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU). Stolpe sei ein ungewöhnlicher Mensch gewesen, der anderen Schutz und Hoffnung gegeben habe.

Die Erschütterungen der Zeitgeschichte seien mitten durch Stolpes Leben gegangen, betonte Steinmeier. In einer Zeit der Kriegsgefahren und Kriege sei es ihm politische Pflicht gewesen, sich für Ausgleich und friedliche Verständigung einzusetzen. In der DDR sei Stolpes Telefonnummer für viele eine Versicherung gewesen, bei drohender Verhaftung um Hilfe bitten zu können.

Manfred Stolpe war von 1990 bis 2002 Ministerpräsident von Brandenburg und danach bis 2005 Bundesverkehrsminister. Der frühere Ost-Berliner Konsistorialpräsident der evangelischen Kirche in der DDR soll auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam bestattet werden.

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