Klimaschützer: "Verhandlungsstand ist eine Katastrophe"

Klimaschützer: "Verhandlungsstand ist eine Katastrophe"
Fronten auf Weltklimakonferenz verhärten sich
Die USA, Australien und Brasilien bremsen den internationalen Kampf gegen die Erderwärmung aus. Auf dem UN-Treffen in Madrid droht die Verabschiedung eines schwachen Abschlussdokumentes.

Auf der Weltklimakonferenz in Madrid haben sich die Fronten am Samstag weiter verhärtet. Die EU, Deutschland und weitere Länder seien mit dem vorliegenden Entwurf eines Abschlusstextes nicht einverstanden, hieß es am Samstag aus Delegationskreisen. Den Text hatte Chile vorgelegt, das den Vorsitz der Konferenz innehat.

In dem Text fehle ein klarer Aufruf zu höheren Zusagen beim Klimaschutz im nächsten Jahr, so wie es der internationale Fahrplan vorschreibt, hieß es von Unterhändlern. Große Verschmutzerstaaten wie die USA und Australien verwässerten laut Beobachtern die Texte, die im Konsens verabschiedet werden sollen. Zu den Bremsern gehörten auch Brasilien und Indien, hieß es.

Vertreterinnen der Zivilgesellschaft äußerten sich entsetzt über die Gespräche: "Der jetzige Verhandlungsstand ist eine Katastrophe und kann so sicher nicht endgültig sein", warnte Sabine Minninger von "Brot für die Welt". Die Delegationsleiterin des WWF International, Vanessa Perez-Cirera, erklärte: "Wir sind schockiert über den äußerst schwachen Beschlusstext." Hinweise auf die absolute Notwendigkeit, die Klimaschutzbeiträge im Jahr 2020 zu verstärken seien praktisch eliminiert worden. Im Angesicht der aufziehenden Klimakrise sei dies inakzeptabel.

Laut dem Pariser Klimaschutz-Abkommen von 2015 müssen die Staaten im kommenden Jahr ihre Strategien nachschärfen, um die Erderwärmung noch auf ein erträgliches Maß zu begrenzen.

Auch die Verhandlungen über den Emissionshandel laufen laut der Zivilgesellschaft in die falsche Richtung. Ein neuer von der chilenischen Präsidentschaft vorgelegter Text zu der Ausgestaltung des Emissionshandels sei "katastrophal und stellt ein wesentliches Risiko für die Umweltintegrität des Pariser Abkommens dar", sagte Linus Herzig von Germanwatch dem epd. Die gefährlichen Doppelzählungen könnten für mehrere Jahre möglich sein und es könnten eine große Menge alter Kyoto-Zertifikate in das Pariser Regime übernommen werden. Das sei völlig abzulehnen, sagte der Experte.

Die Verhandlungen zogen sich durch die Nacht zum Samstag. Laut den Vereinten Nationen sollen die Vertreter von mehr als 190 Staaten nun um 17.00 Uhr zum Schlussplenum zusammenkommen. Offiziell sollte der Gipfel bereits am Freitag enden. Gestritten wurde bei den Verhandlungen bis zuletzt auch über Regeln für den Emissionshandel und finanzielle Unterstützung für arme Staaten im Kampf gegen die Erderwärmung. Die nächste Weltklimakonferenz soll 2020 in Glasgow, Großbritannien, stattfinden.

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