Paritätischer: Armut leicht zurückgegangen

Paritätischer: Armut leicht zurückgegangen
Der aktuelle Armutsbericht des Paritätischen stellt zum ersten Mal seit Jahren einen leichten Rückgang der Armut fest. Die Spaltung zwischen Regionen und Bundesländern vertieft sich aber weiter. Längst verläuft sie nicht mehr zwischen Ost und West.

Die Armut in Deutschland ist laut dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes leicht zurückgegangen. Der am Donnerstag in Berlin veröffentlichte Report zeigt zugleich, dass sich das Land weiter aufspaltet. Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen, Ulrich Schneider, erklärte, die Kluft zwischen den Wohlstandsregionen und abgehängten Gebieten wachse weiter. Auch der Westen sei tief gespalten und weit entfernt von gleichwertigen Lebensbedingungen. Die Linke und die Grünen warfen der Bundesregierung Versagen bei der Armutsbekämpfung vor.

Die Armutsquote betrug dem Bericht zufolge 2018 im Bundesdurchschnitt 15,5 Prozent, das waren 0,3 Prozentpunkte weniger als 2017. Rechnerisch mussten damit 210.000 Menschen weniger als im Vorjahr unterhalb der Armutsgrenze leben. Die Quote ging dem Bericht zufolge erstmals seit 2014 zurück, lag aber trotz der jahrelang guten Konjunktur fast einen Prozentpunkt höher als vor zehn Jahren.

Die Armutsquoten teilten Deutschland in vier Regionen, heißt es in dem Bericht. Nach wie vor ist der Osten ärmer als der Westen, andererseits gehört das Ruhrgebiet zu den ärmsten Regionen im ganzen Land. Nordrhein-Westfalen ist deshalb die Region mit der höchsten Armutsquote (18,1 Prozent). Es folgen die ostdeutschen Länder mit 17,5 Prozent und ein Nord-West-Gürtel von Schleswig-Holstein bis zum Saarland mit 15,9 Prozent. Bayern und Baden-Württemberg stehen zusammen mit einer Armutsquote von 11,8 Prozent deutlich besser da als der Rest der Republik.

Der Paritätische stützt sich auf den Mikrozensus des Statistischen Bundesamts. Bei der Berechnung der Armutsquoten zählt dem Bericht zufolge jede Person als einkommensarm, die mit ihrem Einkünften unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Eingerechnet wird das gesamte Nettoeinkommen des Haushalts inklusive Wohngeld, Kindergeld, Kinderzuschlag oder sonstiger Zuwendungen. Die Armutsschwelle für einen Single betrug 2018 beispielsweise 1.035 Euro, für einen Paarhaushalt mit zwei Kindern unter 14 Jahren 2.174 Euro (Alleinerziehende: 1.656 Euro).

Anders als andere Untersuchungen, die bei der 60-Prozent-Einkommensschwelle die Begriffe "Armutsgefährdung" oder "Armutsrisikoquote" verwenden, spricht der Paritätische Verband ausdrücklich von Armut: "Unterhalb der 60-Prozent-Schwelle herrscht aus Sicht des Paritätischen Armut", hieß es in dem Bericht. Die Bezeichnung "Armutsgefährdung" sei eine Beschönigung, "angesichts der Einkommen, um die es geht und der sich dahinter real verbergenden massiven Armutsprobleme".

Hauptgrund für den bundesweiten Rückgang der Armut ist laut dem Bericht eine positive Entwicklung in den drei bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern. Auch in sieben weiteren Bundesländern sank die Armutsquote leicht, sie stieg dagegen in Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen. Die niedrigste Armutsquote hat Bayern mit 11,7 Prozent, die höchste Bremen mit 22,7 Prozent.

Merklich verbessert hat sich die Situation in den vergangenen zehn Jahren im Osten der Republik. Besonders stark hat sich hingegen die Situation in Hessen verschlechtert. Das Land gehörte vor zehn Jahren noch zum wohlhabenden Süden. Heute liegt die Armutsquote mit 15,8 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Das Ruhrgebiet bleibe mit einer Armutsquote von 21,1 Prozent bei fast sechs Millionen Einwohnern die "Problemregion Nummer 1", stellt der Bericht fest.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, nannte es "erschreckend, wie stark die räumliche Polarisierung zugenommen hat". Die Regierung müsse die armen Regionen endlich stärker unterstützen, forderte sie. Die Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Amira Mohamed Ali, verwies darauf, dass Haushalte mit niedrigen Einkommen von der guten Konjunktur nicht profitiert hätten. Es sei unerträglich, dass viele Menschen trotz Arbeit in Armut leben müssten, kritisierte sie.

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