Merkel erinnert an Mauerfall und NS-Pogrome

Merkel erinnert an Mauerfall und NS-Pogrome
Bundespräsident bedankt sich bei Polen, Tschechen, Slowaken und Ungarn
Der Appell für den Erhalt der freiheitlichen Demokratie und für einen respektvollen Umgang in der Gesellschaft bestimmte am 9. November viele Reden. An der Gedenkstätte Berliner Mauer erinnerten Hunderte an die Grenzöffnung vor 30 Jahren.

In Berlin ist am Samstag an den Mauerfall vor 30 Jahren erinnert worden. An einer Veranstaltung in der Gedenkstätte Berliner Mauer nahmen mehrere hundert Menschen teil, darunter Jugendliche aus acht verschiedenen Staaten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erinnerte in der Kapelle der Versöhnung an die Mauertoten und an die Opfer der SED-Diktatur: "Wir werden sie nicht vergessen."

Die Kanzlerin bezeichnete den 9. November als einen Schicksalstag der Deutschen. In ihm spiegelten sich sowohl die glücklichen als auch die fürchterlichen Momente der deutschen Geschichte wider. Der 9. November 1938 mit den gegen die Juden gerichteten Pogromen ermahne, Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte Polen, Ungarn, Tschechen und Slowaken für ihren Mut und Freiheitswillen, ohne den die friedliche Revolution in Osteuropa und die deutsche Einheit nicht möglich gewesen wären. Zugleich rief er in Anwesenheit der Staatsoberhäupter der vier Nachbarstaaten dazu auf, sich weiter gemeinsam für Freiheit, Demokratie, Wohlstand und Zusammenhalt in Europa einzusetzen.

Gestaltet wurde die Feier in der Gedenkstätte Berliner Mauer auch von Jugendlichen aus Frankreich, England, Norwegen, der Ukraine, Ungarn, Tschechien, Polen und der Slowakei. Sie trugen ihre Vorstellungen über ein "gemeinsames Europa" vor. Außerdem sang der tschechische Liedermacher Jaroslav Hutka, der zu den Erstunterzeichnern der "Charta 77" gehörte und dessen Lieder zum Symbol für die Samtene Revolution 1989 in seinem Land wurden.

Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, sagte, die friedliche Revolution in der DDR bedeute heute, "Verantwortung zu übernehmen, Toleranz zu leben, Demokratie und Menschenrechte zu achten und zu verteidigen". Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge erinnerte an den Mut der Menschen, die in der friedlichen Revolution 1989 in der DDR gewaltfrei auf die Straße gingen. Auch 30 Jahre später sei es Aufgabe eines jeden Einzelnen für Frieden zu sorgen: "Wir müssen ihn lernen, für ihn arbeiten", sagte Dröge bei der Andacht in der Kapelle der Versöhnung.

Mit Blick auf die zahlreichen Gäste aus anderen europäischen Staaten sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz: "Europa ist die tägliche Herausforderung, einander wahrzunehmen und die Bedürfnisse der unterschiedlichen Menschen in vielfältigen Nationen miteinander abzugleichen." Europa sei die "Antwort auf zwei Weltkriege und die Verfolgung und Vernichtung von über sechs Millionen Juden in der Mitte des letzten Jahrhunderts".

Hildigund Neubert, Vorsitzende des Vereins Bürgerbüro für Opfer der SED-Diktatur, sagte, auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer habe ein jeder Einzelne die Verantwortung, sich "für wahrhaftiges Reden und respektvollen Umgang miteinander" in der Gesellschaft einzusetzen.

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