Lutherische Bischöfe bestimmen Nachfolger für Rentzing in der VELKD

Lutherische Bischöfe bestimmen Nachfolger für Rentzing in der VELKD
Meister: «Sprache spielt Schlüsselrolle für Frieden in einer Gesellschaft»
Die Jahrestagung der evangelischen Kirche in Deutschland hat begonnen. Protestanten aus ganz Deutschland diskutieren in Dresden rund um den 9. November, wie man den Frieden in der deutschen Gesellschaft und in der Welt stärken kann.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat die Bedeutung der Sprache für den gesellschaftlichen Frieden betont. "In Zeiten von Hate-Speech und der Neuinterpretation von Geschichte und Geschichten spielt die Sprache für den Frieden in einer Gesellschaft eine Schlüsselrolle", sagte der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) am Donnerstag in Dresden. Dort begann mit den Beratungen der lutherischen Landeskirchen in Deutschland die Jahrestagung der evangelischen Kirche. Bis Samstag beraten die Lutheraner auf ihrer Generalsynode darüber, wie man den Frieden in der Gesellschaft stärken kann.

Für eine verbindende Sprache sei auch entscheidend, "ob es verbindende Geschichten gibt, die die Mehrheit einer Gesellschaft erzählen kann", sagte Meister. "Diese Frage bleibt brisant, weil in der Erinnerung an die Ereignisse vor 30 Jahren bemerkt wird, dass wir in Deutschland weitgehend keine gemeinsame Geschichte erzählen können."

Die Kirche müsse ein "Asylort der Sprache" sein, sagte Meister. Das Wort gehöre in den Ursprung und in den Auftrag der Kirche. "Die sprachliche Grundorientierung ist eine Ordnung gegen geistig-geistliche Anarchie", sagte der Leitende Bischof vor der Generalsynode. "Sprache ordnet. Das Wort Gottes setzt eine Orientierung."

Die Bischofskonferenz der Lutheraner hatte bereits am Mittwochabend eine neue Stellvertreterin für den Leitenden Bischof gewählt, wie am Donnerstag auf der Generalsynode bekanntgegeben wurde. Die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, übernimmt den Posten ab sofort. Ihr Vorgänger Carsten Rentzing war jüngst von seinem Amt als sächsischer Landesbischof zurückgetreten. Im Oktober war bekanntgeworden, dass Rentzing zwischen 1989 und 1992 als Autor für die rechtskonservative Zeitschrift "Fragmente" tätig war. Das Landeskirchenamt stufte die von ihm als Student verfassten Texte als "elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich" ein.

Meister zollte seinem ehemaligen Stellvertreter Respekt für dessen Entscheidung. Er bedauere allerdings, dass Rentzing es bislang vermieden habe, sich öffentlich zu erklären und öffentlich Stellung zu beziehen, sagte Meister vor der Generalsynode.

Der hannoversche Landesbischof stellte in seinem Bericht die Ambivalenz des Öffentlichkeitsauftrags der Kirche heraus. Einerseits würden Statements fortwährend gefordert, andererseits polarisierten bischöfliche Worte innerhalb wie außerhalb der Kirche schnell. "Dennoch gilt: Diesem öffentlichen Auftrag kann sich kein leitender Repräsentant entziehen", erklärte Meister.

Die VELKD ist ein Zusammenschluss von sieben evangelisch-lutherischen Landeskirchen innerhalb der EKD, darunter die bayerische, die sächsische und die hannoversche Landeskirche. Zur VELKD gehören rund 8,6 Millionen Gläubige. Seit 2018 steht der hannoversche Landesbischof Ralf Meister der VELKD als Leitender Bischof vor.

Am Sonntag wird in der Stadt an der Elbe die viertägige EKD-Synodentagung eröffnet. Außerdem trifft sich am Freitag und Samstag die Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen. Auf der EKD-Synode stehen die Themen "Frieden" und der Fortschritt in der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche im Zentrum.

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