Sea-Eye: Warnschüsse auf deutsches Rettungsschiff "Alan Kurdi"

Sea-Eye: Warnschüsse auf deutsches Rettungsschiff "Alan Kurdi"

Nach einem Einsatz zur Rettung von 91 Flüchtlingen aus dem Mittelmeer ist die Besatzung des deutschen Schiffes "Alan Kurdi" nach eigenen Angaben massiv von libyschen Einsatzkräften bedroht worden. Bei dem Vorfall am Samstag in internationalen Gewässern seien libysche Patrouillenboote "mit hoher Geschwindigkeit" auf die "Alan Kurdi" zugesteuert, die Einsatzkräfte seien teilweise maskiert gewesen, sagte Jan Ribbeck, der Chef der Mission, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Libyer hätten Schüsse in die Luft und in das Wasser abgegeben und die Waffen auf die Menschen im Wasser gerichtet. Die Libyer hätten der Crew über Funk mit der Ausrichtung des Bordgeschützes auf ihr Schiff gedroht. Die drei libyschen Boote hätten daraufhin die "Alan Kurdi" eingekreist, so dass das Schiff zeitweise manövrierunfähig gewesen sei. Außerdem hätten sie sich zwischen das Schlauchboot mit Flüchtlingen und die "Alan Kurdi" positioniert, um die Rettung zu unterbrechen. Dabei sollen Menschen panisch vom Schlauchboot gesprungen sein, um die Rettungsboote der "Alan Kurdi" zu erreichen.

Letztlich sei es gelungen, alle Menschen aus dem Wasser und aus dem Schlauchboot auf die "Alan Kurdi" zu bringen. Die akute Bedrohungssituation sei beendet. Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler nannte es schockierend, "dass europäische, zivile Rettungskräfte von Personen bedroht und gefährdet worden sind, die von den eigenen Heimatländern der Rettungskräfte bei völkerrechtswidrigen Bemühungen unterstützt werden, Menschen von der Flucht aus Libyen abzuhalten". Missionschef Ribbeck sagte, diese Form der "aggressiven Annäherung unter Waffengewalt" habe es zuvor noch nicht gegeben. Das Auswärtige Amt sei von dem Vorfall informiert.

Zu Berichten, wonach die libysche Küstenwache eine Beteiligung an dem Zwischenfall dementiert habe, sagte Isler, die Einsatzkräfte seien eindeutig vom libyschen Rettungszentrum in Tripolis geschickt worden. "Ob sie nun von der Seepolizei, der Marine oder der Küstenwache kamen, spielt für uns keine Rolle", sagte er am Sonntag dem epd. "Es waren in jedem Fall Schwerverbrecher, über deren Booten die libysche Flagge wehte. Das sind die Menschen, die von unseren Heimatländern ausgebildet und finanziert werden."

Die "Alan Kurdi" nahm nach dem Vorfall Kurs auf die Mittelmeerinsel Lampedusa. An Bord befanden sich 18 Crew-Mitglieder und 91 Flüchtlinge, unter ihnen eine schwangere Frau, die nach Einschätzung der Helfer ihr Kind verlieren könnte. Eine Evakuierung der Frau nach Malta sei angefragt, hieß es.

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