Expertin: Angst vor Masseneinwanderung aus Afrika unbegründet

Expertin: Angst vor Masseneinwanderung aus Afrika unbegründet

Das Szenario einer drohenden Masseneinwanderung aus Afrika nach Europa entbehrt derzeit jeder wissenschaftlichen Begründung. Darauf wies am Donnerstag die Politikwissenschaftlerin Petra Bendel auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Hofgeismar zum Thema "Migration gestalten" hin. So kämen von den weltweit rund 257 Millionen Menschen, die Schätzungen der UN zufolge 2017 außerhalb ihres Geburtslandes lebten, lediglich 36 Millionen aus Afrika, sagte die Expertin. Die meisten der afrikanischen Flüchtlinge blieben auf ihrer Flucht zudem innerhalb Afrikas.

Unter den Zuwanderern in Europa seien Afrikaner in einer klaren Minderheit, sagte Bendel, die Geschäftsführerin des Zentralinstituts für Regionenforschung an der Universität Erlangen ist. So schwankte der Anteil der afrikanischen Zuwanderer von 2000 bis 2017 zwischen lediglich 3,5 bis sechs Prozent aller Migranten in Europa. Allerdings sei zuletzt ein Anstieg der Zahlen zu verzeichnen. Wenig berücksichtigt werde aber, dass der Familiennachzug aus Afrika nach Europa viel bedeutender sei als die Fluchtmigration.

Deutschland als Einwanderungsland sei vor allem durch Zuwanderung aus Süd- und Osteuropa sowie der Türkei geprägt, sagte Bendel. Was die afrikanischen Flüchtlinge angehe, so kämen diese überwiegend aus dem nordafrikanischen Raum. Bendel kritisierte in ihrem Vortrag die Migrationspolitik der EU. Anstatt neue legale Zugänge für Afrikaner nach Europa zu eröffnen und sich für den Schutz von Flüchtlingen in ihren Heimatregionen zu engagieren, sei die Agenda darauf fokussiert, irreguläre Einwanderung zu verringern.