DGB-Studie: Leiharbeiter in vielen Belangen schlechter gestellt

DGB-Studie: Leiharbeiter in vielen Belangen schlechter gestellt
Leiharbeiter sind nach einer DGB-Erhebung Beschäftigte zweiter Klasse: Sie erhalten in der Regel weniger Lohn als die Kollegen der Stammbelegschaft. Auch in anderen Belangen werden sie in den Betrieben stark benachteiligt.

Weniger Einkommen, höhere Belastungen: Eine repräsentative Beschäftigtenbefragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeigt gravierende Unterschiede zwischen den Arbeitsbedingungen von Leiharbeitnehmern und Stammbeschäftigten auf. Entliehene Kräfte bewerten ihre Arbeit deutlich negativer, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Studie zum DGB-Index "Gute Arbeit", die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Zuerst hatten "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" (Donnerstag) darüber berichtet.

Der Sonderauswertung des DGB-Index für den Zeitraum 2012 bis 2018 zufolge besteht eine große Kluft bei den Löhnen, was nicht nur mit Qualifikationsunterschieden zu tun habe. Bei Vollzeittätigkeiten, für die in der Regel eine zwei- bis dreijährige Berufsausbildung erforderlich ist, verfügten zwei Drittel der Leiharbeitnehmer über ein Bruttoeinkommen von 2.000 Euro und weniger. Der Anteil in den unteren Einkommensgruppen liege damit doppelt so hoch wie bei den Nicht-Leiharbeitnehmern.

DGB-Vorstand Stefan Körzell forderte daher für die derzeit laufenden Tarifverhandlungen Lohnanhebungen um 8,5 Prozent für die Beschäftigten in der Leiharbeit sowie mehr Urlaubstage und ein höheres Weihnachts- und Urlaubsgeld. Außerdem müssten die Zuschläge für Leiharbeitnehmer für Sonn- und Feiertage sowie für Nachtschicht und Mehrarbeit auf das Niveau der Stammbelegschaften erhöht werden.

Beträchtlich ist nach der DGB-Studie der Anteil der Zeitarbeitsbeschäftigten, die in Schichtdiensten arbeiten. Mit 37 Prozent liege er mehr als doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe der nicht entliehenen Kräfte (16 Prozent). Auch in Nachtarbeit würden sie deutlich häufiger eingesetzt: Jede fünfte Leihkraft arbeite häufig zwischen 23 und 6 Uhr.

Der Erhebung zufolge können Leiharbeitnehmer die von ihnen zu bewältigende Arbeitsmenge und die Gestaltung ihrer Arbeitszeit weniger beeinflussen. 72 Prozent der Befragten hätten angegeben, keinen oder nur einen geringen Einfluss auf den Arbeitsumfang zu haben. Bei nicht entliehenen Beschäftigten seien es 65 Prozent.

Auch gesundheitliche Risikofaktoren wie starke körperliche Belastungen treten laut Studie in der Leiharbeit häufiger auf. Zudem machten sich Beschäftigte in Leiharbeit deutlich öfter (43 Prozent) Sorgen um ihre berufliche Zukunft als Nicht-Leiharbeitnehmer (18 Prozent).

Zeitarbeitnehmer erhalten dem Bericht zufolge ferner viel seltener Chancen zur Weiterbildung. 70 Prozent hätten angegeben, dass ihr Betrieb Fortbildungen nicht oder nur in geringem Maße ermögliche. Bei den nicht entliehenen Kollegen seien es 45 Prozent.

epd kfr/mj mih

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