Gedenken an Deportation Berliner Juden

Gedenken an Deportation Berliner Juden
Nachama fordert Erhalt des Mahnmals «Gleis 17»
Im Herbst 1941 begannen das Reichssicherheitshauptamt zusammen mit dem Reichsverkehrsministerium damit, Juden aus Berlin zu deportieren. Am 18. Oktober vor 78 Jahren rollte der erste Sonderzug der Reichsbahn.

Rund 250 Menschen haben am Freitag in Berlin an den Beginn der nationalsozialistischen Deportationen von Juden aus Berlin vor 78 Jahren erinnert. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) mahnte bei der Gedenkfeier am Mahnmal "Gleis 17" am Bahnhof Berlin-Grunewald mit Blick auf den Holocaust, der deutsche Weg in das Verderben sei weder zufällig, noch unausweichlich gewesen. Aus der deutschen Geschichte erwachse die gemeinsame Verantwortung aller, gegen Antisemitismus aufzustehen. Der Anschlag in Halle in der vergangenen Woche habe das Ausmaß der Gewaltbereitschaft verdeutlicht.

Auch Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) rief dazu auf, sich gegen Ausgrenzung und Verfolgung von Menschen einzusetzen. In der Nazizeit habe sich die Vernichtung der Juden vor aller Augen vollzogen, "kaum einer wagte zu intervenieren, leistete Widerstand", sagte Münch bei der Gedenkfeier, die von Schülern des Berliner John-Lennon-Gymnasiums und der Holocaustüberlebenden Ingeborg Geißler mitgestaltet wurde. An dem Gedenken nahmen unter anderem auch Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) und der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff teil.

Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte Osttransport den Berliner Bahnhof Grunewald in Richtung Litzmannstadt, heute Lodz. In dem Zug waren mehr als 1.000 jüdische Kinder, Frauen und Männer. Insgesamt wurden in der NS-Zeit mehr als 50.000 Berliner Juden ermordet. Ab 1942 fuhren Deportationszüge auch vom Anhalter Bahnhof und vom Güterbahnhof Moabit. Ziele waren Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager unter anderem in Minsk, Riga, Warschau, Theresienstadt, Sobibor und Auschwitz.

Seit 2011 wird am Bahnhof Grunewald an die Deportationen erinnert. Die Initiative dazu ging von der Schriftstellerin und Holocaust-Überlebenden Inge Deutschkron aus. Das Denkmal "Gleis 17" wurde von der Deutschen Bahn 1998 als Mahnmal zur Erinnerung an die Rolle der Reichsbahn im Dritten Reich errichtet.

Andreas Nachama, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der NS-Gedenkorte im Berliner Raum und Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, forderte bei der Gedenkveranstaltung die Deutsche Bahn auf, sich mehr für den Erhalt des Gedenkortes "Gleis 17" einzusetzen. Neben "spontaner Vegetation" sei der Ort durch Bauvorhaben gefährdet. Für den Ort sei es wichtig, dass dessen "Güterbahnhof-Umgebung" erhalten werde, sagte Nachama.

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