Bedford-Strohm: Kirchen werden für Orientierung gebraucht

Bedford-Strohm: Kirchen werden für Orientierung gebraucht
Unionsfraktion fragt nach Herausforderungen im Verhältnis Staat und Religion
Die Frage, wie man es mit der Religion hält, steht für die "C"-Parteien regelmäßig auf der Agenda. Am Mittwoch lud die Unionsfraktion Kirchenvertreter zur aktuellen Standortbestimmung. Das Thema Islam - früher brisant - spielte am Rand eine Rolle.
16.10.2019
Von Corinna Buschow (epd)
epd

"Farbe bekennen statt Buntheit bejammern" - unter diesem Titel veranstaltete die Unionsfraktion im Bundestag am Mittwoch einen Kongress zum Verhältnis zwischen Staat und Religion. Die Buntheit wurde dabei aber etwas begrenzt: "Christlicher Kompass in der pluralen Gesellschaft" lautete der Untertitel. Auf dem Podium sprachen hauptsächlich Kirchenvertreter. Der Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus (CDU) sagte, in einer Zeit, in der unheimlich viel auseinanderlaufe und Menschen keine Orientierung hätten, müssten Parteien und Kirchen mehr miteinander gestalten. Der kirchenpolitische Sprecher Hermann Gröhe (CDU) unterstrich, dass Buntheit dabei gewollt sei: "Wir teilen nicht die Auffassung derer, die unter der Pluralität der Gesellschaft leiden."

Zum Kongress gekommen war unter anderen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Er unterstrich, dass die Kirchen ein Ort der Orientierung blieben, auch wenn sie Mitglieder verlieren. Menschen suchten nach Orientierung, sagte der bayerische Landesbischof. Wenn man die Frage stelle, wer diese Orientierung leisten könne, lande man zwangsläufig wieder bei den Religionsgemeinschaften: "Kirchen sind ein Ort, an dem die Reflexion über ethische Fragen zur DNA der Institution gehört."

Bedford-Strohm betonte, die Kirchen müssten sich auch verändern. "Wir dürfen uns der Moderne nicht verweigern, wir müssen sie gestalten", sagte er. Ähnlich äußerte sich der katholische Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck: Der "Schutz des Bestehenden" dürfe nicht vor gesellschaftlicher Relevanz" stehen, sagte er mit Blick auf den Missbrauchsskandal, der eine Reformdebatte in der katholischen Kirche ausgelöst hat.

Auf einem Podium zur Zukunftsfähigkeit der vor 100 Jahren in Kraft getretenen Weimarer Reichsverfassung, deren Religionsartikel ins Grundgesetz übernommen wurden, ging es auch um die Integration des Islams in die verfassungsmäßige Ordnung. Der Göttinger Kirchenrechtler Hans Michael Heinig äußerte dabei Skepsis. Er denke nicht, dass in den kommenden 20 bis 30 Jahren "Masterpläne oder Superlösungen" erreicht werden könnten, sagte er. Gerungen wird etwa um Religionsunterricht oder Gefängnis- und Militärseelsorge, die bei den Kirchen etabliert sind, bei den muslimischen Gemeinschaften aber vor allem an deren Organisation scheitern.

Heinig sagte, der Staat habe für den Islam viel möglich gemacht. Umgekehrt sei die erhoffte Dynamik in den muslimischen Verbänden aber nicht erfolgt. "Diese Hoffnung ist im Moment betrogen worden", sagte er. Die stellvertretende Leiterin des Katholischen Büros in Berlin, Katharina Jestaedt, plädierte dagegen dafür, das Thema politisch weiter oben auf die Tagesordnung zu setzen. Das Thema müsse strukturell angegangen werden. Es fehle eine Koordinierung der Bemühungen in den Ländern durch den Bund. "Alle werkeln vor sich hin", sagte sie. Dadurch fehlten Erfolgserlebnisse. Jestaedt forderte, das Thema prominenter anzusiedeln, etwa auf Staatssekretärsebene.

Heinig sieht dagegen für das Verhältnis von Staat und Religionen in Deutschland eine zusätzliche Herausforderung durch stärkere Säkularisierung. "Tagespolitisch ist der Umgang mit dem Islam viel interessanter, mittelfristig politisch scheint mir der Umgang mit der rein säkularen Lebensoption aber viel dramatischer", sagte er.

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