Festhalten am "synodalen Weg"

Festhalten am "synodalen Weg"
Bischof Genn: «Ich bin bereit, Macht abzugeben»
Bischöfe und Laien verteidigen ihren vereinbarten Reformprozess für die katholische Kirche gegen Kritik von innen und außen. In dieser Woche will die Bischofkonferenz den "synodalen Weg" vorbereiten, der offiziell am 1. Advent beginnt.

Bei ihren gemeinsamen Anstrengungen zu einer Reformierung der katholischen Kirche müssen Bischöfe und Laien nach Ansicht von ZdK-Präsident Thomas Sternberg verbindliche Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal ziehen. "Nur zu diskutieren, reicht nicht, denn die Kirche steckt in einer tiefen Vertrauenskrise", sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Die deutschen Bischöfe und Vertreter der katholischen Laien haben sich auf einen gemeinsamen "synodalen Weg" verständigt - einen Reformprozess, bei dem auch Themen wie der klerikale Machtmissbrauch und die katholische Sexualmoral diskutiert werden sollen. Auch der Münsteraner Bischof Felix Genn mahnte greifbare Konsequenzen an.

"Wir können als Deutsche Bischofskonferenz nicht eine wissenschaftliche Studie zum sexuellen Missbrauch in unserer Kirche in Auftrag geben und dann zur Tagesordnung übergehen", sagte Genn, der 2013 vom Papst in die vatikanische Bischofskongregation berufen wurde. "Wir müssen und möchten den mühsamen Weg der Aufarbeitung gehen, der zuerst die Opfer in den Blick nimmt, aber auch kirchenimmanente Strukturen, die solche Taten ermöglicht und vertuscht haben."

Genn sieht ingesamt ein neues Machtgefüge als unabdingbar. "Wir brauchen eine neue Machtverteilung, konkret ein neues Verhältnis von sogenannten Laien und Priestern, von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Männern und Frauen in der katholischen Kirche", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag). Er selbst sei offen dafür, betonte der Bischof: "Ich bin bereit, Macht abzugeben und mich etwa einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit zu stellen, in der dann auch Laien mitentscheiden werden."

Auch der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer betonte am Wochenende, wer angesichts der Krise der Kirche meine, man brauche nichts zu verändern, verschließe die Augen vor der Realität. "Es ist allerhöchste Zeit, über die Bedeutung des Weiheamtes, den Pflichtzölibat und die Zulassung der Frauen zum Amt zu sprechen", sagte er der "Westfalenpost".

In dieser Woche treffen sich die deutschen Bischöfe zu ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda, auf der die Vorbereitung des "synodalen Wegs" eins der zentralen Themen sein wird. Offiziell soll der "synodale Weg" am 1. Advent beginnen. In vier Synodalforen sollen Kleriker und Laien über Reformen bei den Themen Machtmissbrauch, priesterliche Lebensformen und Zölibat, Sexualmoral und Aufgaben von Frauen in der katholischen Kirche diskutieren.

epd svo

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