Kirchenrechtler: Rom wird "synodalen Weg" stoppen

Kirchenrechtler: Rom wird "synodalen Weg" stoppen

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller gibt dem "synodalen Weg" zur Erneuerung der katholischen Kirche in Deutschland keine Chance. "Rom wird diesen Prozess stoppen", sagte Schüller am Donnerstag der Kirchenzeitung "Kirche und Leben" (Onlineausgabe) in Münster. Er wolle kein Unglücksprophet sein, "aber in dieser Causa hat Rom bisher leider so einschränkend reagiert, wie manche es befürchtet haben".

Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass der Vatikan Einwände gegen die Organisation und Themenwahl des kirchlichen Reformprozesses hat. Die vorgesehene Gleichberechtigung der Laien etwa in der Leitung der vier thematischen Foren beim "synodalen Weg" hatte der Vatikan vor einer Woche in einem Gutachten für unmöglich erklärt. Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken wandten sich daraufhin in einem Brief an Papst Franziskus. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, kündigte Gespräche in Rom an. Auf der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz kommende Woche in Fulda steht die Vorbereitung des Reformprozesses auf der Tagesordnung.

Der "synodale Weg" ist ein zwischen den katholischen Bischöfen und Vertretern der katholischen Laien verabredete Reformprozess, in dem Themen wie der klerikale Machtmissbrauch und die katholische Sexualmoral diskutiert werden. Er soll am 1. Dezember, dem 1. Advent, beginnen.

Schüller geht davon aus, dass der Vatikan in den Prozess direkt eingreift: "Die Bischofskongregation wird schlicht mit ausdrücklicher Billigung des Papstes eine Änderung des Statuts verfügen." Er glaube, dass den Laien, die am "synodalen Weg" teilnehmen, nur noch beratendes Stimmrecht gewährt werde, sagte der Kirchenrechtler. Diese Weisung könnten die deutschen Bischöfe zwar kirchenrechtlich zurückweisen. Das erwarte er aber nicht, erklärte Schüller.

Schüller monierte: "Die Beschlüsse binden keinen Bischof, und damit war es das mit dem 'synodalen Weg'." Das ZdK wird seiner Einschätzung nach zwar nicht formal aus dem Prozess aussteigen wollen, aber inhaltlich. "Bei einer puren Wir-reden-mal-drüber-Veranstaltung, die keine Verbindlichkeit generiert, wird keiner mehr mitmachen wollen."

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