Erzbistum Köln entpflichtet Düsseldorfer Stadtdechanten

Erzbistum Köln entpflichtet Düsseldorfer Stadtdechanten
Hennes: «Ich habe mir nichts vorzuwerfen»
Ein 18 Jahre alter Fall beschäftigt das Erzbistum Köln. In einem Seelsorgegespräch soll ein Priester sexuelle Handlungen an einem 20-Jährigen vorgenommen haben. Jetzt verliert er sein Amt als Düsseldorfer Stadtdechant.

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, hat den Düsseldorfer Stadtdechanten Ulrich Hennes von seinem Amt entbunden. Zugleich wurde gegen Hennes ein Verfahren zur Amtsenthebung als Pfarrer eingeleitet, wie das Erzbistum bereits am Mittwochabend mitteilte. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte ihre Ermittlungen wegen sexueller Belästigung im Juni eingestellt. Erst danach habe die kirchen- und disziplinarrechtliche Vorprüfung des Falles begonnen. Bis zum Abschluss des Verfahrens bleibe Hennes beurlaubt. Hennes ließ am Donnerstag über seinen Anwalt erklären, sich mit allen rechtlichen Möglichkeiten "gegen diese von mir als sehr ungerecht empfundene Entscheidung zu wehren".

Gegen Hennes lägen glaubwürdige Berichte vor, die das Vertrauen in ihn nachhaltig erschütterten und eine Amtsenthebung zwingend notwendig machten, erklärte Generalvikar Markus Hofmann. Der heute 57-jährige Hennes soll den Angaben zufolge an einem damals 20 Jahre alten Mann, der sich in einem Seelsorgegespräch ratsuchend an ihn gewandt hatte, sexuelle Handlungen vorgenommen haben.

Hennes hingegen bestreitet die Vorwürfe entschieden, wie sein Rechtsanwalt mitteilte. Die Mitteilung des Mannes bezüglich eines angeblichen einmaligen und einvernehmlichen sexuellen Kontakts unter Erwachsenen im Jahr 2001 seien "völlig an den Haaren herbeigezogen". Wie der Anwalt von Hennes dem epd mitteilte, entlasteten sowohl die staatsanwaltschaftlichen als auch die kirchenrechtlichen Verfahren seinen Mandanten eindeutig. Hennes seien keinerlei Vorwürfe sexueller Übergriffigkeit oder sonstige strafrechtlich relevante Vorwürfe zu machen. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen, weder strafrechtlich noch moralisch", ließ Hennes über seinen Anwalt mitteilen. Das Erzbistum hält nach eigenen Angaben die Aussagen des Betroffenen jedoch für glaubwürdig: Der Mann habe eine eidesstattliche Versicherung abgegeben und fünf Menschen benannt, denen er damals von dem Ereignis berichtete. Auch sie unterschrieben eidesstattliche Versicherungen, wie es hieß.

Die Staatsanwaltschaft habe zwar eine Straftat ausgeschlossen, weil der Mann zu dem Zeitpunkt bereits volljährig war und die sexuellen Handlungen nicht gegen seinen ausdrücklichen Willen stattfanden. Nach den Worten von Mike Kolb, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal, stellt Hennes' Verhalten dennoch ein schweres Vergehen dar: Er habe das besondere Vertrauen, das ihm als Priester entgegengebracht wurde, für seine Interessen ausgenutzt.

Ähnlich äußerte sich auch Kardinal Woelki, der erläuterte, es sei davon auszugehen, dass in diesem Fall ein Priester die seelsorgliche Notlage eines jungen Mannes sexuell ausgenutzt habe. "Vor diesem Hintergrund ist das Vertrauen in Monsignore Hennes tief erschüttert", sagte der Erzbischof.

Das Erzbistum Köln hatte im März den Fall an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und das auch öffentlich gemacht. Sogenannte Pfarrkonsultoren müssen die Entscheidung des Erzbischofs noch bestätigen, wie es hieß. Diese kirchenrechtliche Überprüfung dauere nur wenige Wochen. Gegen die Amtsenthebung kann Hennes in Berufung gehen, über die dann in Rom entschieden würde.

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