Altbundespräsident Wulff: Gemeinsames Singen stärkt Zusammenhalt

Altbundespräsident Wulff: Gemeinsames Singen stärkt Zusammenhalt
13.09.2019
epd-Gespräch: Stefan Korinth
epd

Altbundespräsident Christian Wulff (CDU) sieht im gemeinsamen Singen im Chor ein wichtiges Mittel gegen eine zunehmende Vereinzelung der Gesellschaft. "Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und politischer Orientierung zusammenzubringen, gelingt in Chören extrem gut", sagte Wulff dem Evangelischen Pressedienst (epd). Als Präsident des Deutschen Chorverbandes hatte er am Donnerstag in Hannover das europaweit größte Vokalmusiktreffen "chor.com" eröffnet, das der Verband alle zwei Jahre organisiert.

Wulff zufolge treffen sich die Sängerinnen und Sänger in Chören nicht nur, um zusammen zu proben, sondern um Freizeit miteinander zu verbringen. Gesamtgesellschaftlich betrachtet vereinsamten Menschen hingegen zunehmend oder zögen sich in digitale Netzwerke zurück. "Nichts geht über persönliche Beziehungen, Freundschaften und Begegnungen in Gruppen", betonte Wulff. Im Chor klängen verschiedene Stimmlagen zusammen: "Die Beteiligten sind bemüht ein gemeinsames Ziel zu erreichen."

Dennoch stehe auch die Vokalmusik unter Druck und traditionelle Chöre verlören an Mitgliedern, sagte Wulff. Es bedürfe daher neuer Organisationsformen und mehr Unterstützung aus Politik und Wirtschaft. Dazu gehöre etwa, Räume und Auftrittsgelegenheiten bereitzustellen. Auch müssten Arbeitnehmer häufiger für ehrenamtliche Tätigkeiten wie zu Fortbildungen als Chorleiter freigestellt werden.

Wenn wieder mehr gesungen werde, profitierten insbesondere Kirchen stark davon, ergänzte Wulff. Gottesdienste mit Gospelchören und anderen musikalischen Angeboten fänden große Resonanz.

Das Treffen in Hannover sei ein guter Weg, Chorleiter in Austausch und zu neuen Impulsen zu bringen. Jeder von ihnen habe eine enorme Multiplikatorenwirkung. Zukünftig gelte es, dafür zu sorgen, dass die jahrhundertealte Tradition Deutschlands als Chor- und Sängerland nicht verloren gehe: "Das müssen wir ins 21. Jahrhundert überführen."

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