Brasilien setzt Militär gegen Waldbrände in der Amazonasregion ein

Brasilien setzt Militär gegen Waldbrände in der Amazonasregion ein
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Nach massivem internationalen Druck hat Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro die Bekämpfung der Waldbrände im Amazonasgebiet zur Priorität erklärt. Die brasilianische Luftwaffe schickte Löschflugzeuge in das Katastrophengebiet, wie das Verteidigungsministerium am Samstagabend (Ortszeit) auf Twitter mitteilte. Außerdem sollen rund 44.000 Soldaten die Feuerwehr bei der Brandbekämpfung unterstützen.

Das Finanzministerium gab zusätzliche Nothilfe in Höhe von 38 Millionen Reais (rund zehn Millionen Euro) frei. Derweil versuchte Präsident Bolsonaro, die internationale Gemeinschaft zu beruhigen. Die Situation im Amazonas normalisiere sich, sagte er laut dem Nachrichtenportal "O Globo". "Die Waldbrände liegen unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre."

Die Aussagen Bolsonaros stehen allerdings im Gegensatz zu Erkenntnissen des brasilianischen Weltrauminstitutes Inpe und der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Beide Einrichtungen erklärten, dass die Zahl der Waldbrände in der Amazonas-Region bis August im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 82 Prozent zugenommen habe. Es handelt sich damit um die verheerendsten Brände seit 2010.

Nach Meinung von Experten besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen der illegalen Abholzung des Amazonas und dem Ausbruch der Feuer. Sie gehen davon aus, dass die meisten Feuer durch Brandrodung in abgeholzten Gebieten entstanden sind.

Die Gouverneure der Amazonas-Bundesstaaten verlangten in einem gemeinsamen Schreiben eine Dringlichkeitssitzung von Bolsonaro und baten um mehr Unterstützung bei der Brandbekämpfung. Inzwischen leitete auch die Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein. Unter anderem soll geklärt werden, warum staatliche Behörden nicht aktiv gegen den sogenannten "Tag des Feuers" vorgegangen sind. Farmer hatten sich laut Medienberichten in den sozialen Netzwerken dazu verabredet, Feuer zu legen. Dabei haben sie sich auf die Unterstützung von Bolsonaro berufen.

Nachdem EU-Ratspräsident Donald Tusk die Ratifizierung des EU-Mercosur-Freihandelsabkommens von der Brandbekämpfung abhängig gemacht hat, zeigt sich vor allem die brasilianische Agrarlobby besorgt. "Wir laufen Gefahr, dass es einen Boykott für unsere Produkte gibt", warnte Blairo Maggi, Ex-Landwirtschaftsminister und einer der größten Sojaproduzenten des Landes.

Maggi forderte die brasilianische Regierung zu einem Dialog mit Europa auf. Länder wie Irland und Frankreich hatten mit einer Blockade des Freihandelsabkommens gedroht. Deutschland allerdings lehnt einen Einsatz des Abkommens als Druckmittel auf Brasilien ab.

Außenminister Heiko Maas (SPD) warnte vor einem Scheitern des Freihandelsabkommens. "Bei meinem Besuch in Brasilien habe ich sehr klar gemacht, dass die Umwelt- und Klimapolitik von zentraler Bedeutung bei der Bewertung des EU-Mercosur-Abkommens ist. Nachhaltigkeit ist ein wesentliches Element dieses Abkommens", sagte der SPD-Politiker der Zeitung "Bild am Sonntag". Brasilien sei verpflichtet, die Entwaldung zu bekämpfen. Maas erneuerte gleichzeitig das Hilfsangebot Deutschlands an Brasilien: "Deutschland steht bereit, Hilfe und Unterstützung zu leisten, um die Brände zu bekämpfen."

Am Sonntag wollten sich erneut Zehntausende Brasilianer in zahlreichen Städten versammeln, um gegen die Amazonas-Politik ihrer Regierung zu protestieren. In insgesamt 16 Bundessstaaten hatten die Organisatoren zu Demonstrationen aufgerufen. Sie verlangten den Rücktritt von Umweltminister Ricardo Salles. Auch in europäischen Hauptstädten kam es vor den brasilianischen Botschaften zu Protestaktionen.

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