Religionsvertreter wollen größere Rolle bei Friedensprozessen spielen

Religionsvertreter wollen größere Rolle bei Friedensprozessen spielen
Gipfel der Weltreligionen tagt erstmals in Deutschland
Ob Myanmar, Nordkorea oder die arabische Welt: Spitzenvertreter der Religionen engagieren sich in Lindau für die Lösung von weltweiten Konflikten. Bundespräsident Steinmeier sieht sie als wichtige Akteure bei Friedensgesprächen.
Deutschland spricht 2019

Ranghohe Vertreter aus Politik und Religion wollen weltweit mit einer Friedensbewegung Hass, Krieg und Extremismus entgegentreten. Bei der offiziellen Eröffnung der 10. Weltversammlung von "Religions for Peace" (Religionen für den Frieden) am Dienstag in Lindau setzten sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta dafür ein.

Steinmeier sprach sich dafür aus, religiöse Repräsentanten aus aller Welt stärker in Friedensprozesse einzubinden. "Religionen können als wirkmächtige und belastbare Förderer des Friedens einen unverzichtbaren und auch unersetzbaren Dienst an den Menschen leisten", sagte er.

Fast ein Tausend Religionsvertreter aus 100 Ländern beraten noch bis Freitag am Bodensee über Lösungen für aktuelle Konflikte. Die Weltversammlung der größten interreligiösen Nichtregierungsorganisation tritt etwa alle fünf Jahre zusammen und findet erstmals in Deutschland statt. Vertreter des Bündnisses waren unter anderem bei den Konflikten in Bosnien-Herzegowina und in Ruanda als Vermittler tätig.

Der Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta erklärte, für Frieden brauche es mutige politische Führer. "Manche glauben an etwas, aber sie haben Angst vor den Konsequenzen", sagte er. Das reiche nicht aus. Als Beispiel für eine mutige Führungspersönlichkeit nannte er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Hätte sie 2015 nicht die Entscheidung getroffen, eine Million Flüchtlinge aufzunehmen, hätte das Europa in seiner jetzigen Form gestürzt", erklärte der frühere Präsident des südostasiatischen Staates Osttimor.

Der spanische Politiker und ehemalige Diplomat Miguel Ángel Moratinos beklagte, dass die Bedeutung von Religionen, Kultur und Zivilisation bei internationalen Gesprächen "immer nur zweitrangig" sei, dabei spielten diese Felder eine immense Rolle, um zu verstehen, warum manche Menschen andere hassen.

Bundespräsident Steinmeier betonte, die gemeinsame Botschaft von Lindau müsse lauten: "Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein. Kein Krieg darf geführt werden im Namen der Religion." Er würdigte die Weltversammlung. "Religions for Peace" mache Ernst mit der Überzeugung, dass Religionen kein Anlass mehr sein dürften für Unfrieden und Krieg, sondern dass sie im Gegenteil Werkzeuge des Friedens sein könnten und müssten.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete das Treffen am Bodensee als "Zeichen der Hoffnung in einer verunsicherten Welt". Mit dieser Versammlung wolle man ein weltweites Zeichen gegen Spaltungen setzen, die zu Hass und Gewalt führten sowie Wege finden zu Frieden, Gerechtigkeit und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Mitschöpfung, sagte Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte, in Zeiten der Globalisierung müssten die Religionen Instrumente des Friedens sein.

Der frühere Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hob das Vorhaben des Treffens hervor, heilige Stätten besser zu schützen. "Ihre Zerstörung bedeutet nicht nur einen Verlust für die Vielfalt und den Traditionsreichtum der Menschheit. Ihr Schutz ist auch eine notwendige Bedingung für die Gewährleistung der Religionsfreiheit", teilte er mit. Dieses Recht umfasse auch die Freiheit, eine Religion öffentlich und gemeinsam zu bekunden.

epd leo/mey hei

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