Zwei Petitionen gegen Potsdamer Garnisonkirche gestartet

Zwei Petitionen gegen Potsdamer Garnisonkirche gestartet
Deutschland spricht 2019

Potsdam (epd). Zwei Bürgerinitiativen haben bundesweite Online-Petitionen gegen die Potsdamer Garnisonkirche gestartet. So fordert ein Bündnis aus Wissenschaftlern, Kulturschaffenden sowie politisch, kirchlich und zivilgesellschaftlich Engagierten in einem am Montag veröffentlichten offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und den Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert (beide SPD) deutliche Veränderungen beim geplanten Wiederaufbau der Kirche.

Unter dem Motto "Bruch statt Kontinuität" dringen die über 100 Erstunterzeichner unter anderem auf den Abriss des bestehenden Glockenspiels, auf den Verzicht von Waffenschmuck sowie auf eine andere Trägerschaft. Notwendig sei "ein Lernort anstelle eines Identifikationsorts", heißt es in dem offenen Brief.

Zu den Erstunterzeichnern gehören den Angaben zufolge unter anderem der Antisemitismusforscher Micha Brumlik von der Goethe-Universität Frankfurt Main, der frühere Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt/Main, Hermann Düringer, der Pfarrer und frühere Studienleiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, Friedrich Schorlemmer, die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane, sowie der Ehrenpräsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck. Über eine Onlinepetition werden weitere Unterstützer gesucht.

Die "Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche" fordert in einer weiteren am Montag veröffentlichten Onlinepetition, die sich den Angaben zufolge vor allem an Kulturstaatsministerin Grütters und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) richtet, einen Förderstopp und ein Moratorium für das Bauprojekt Garnisonkirche. Bis Montagmittag hatten 29 Personen diese Petition unterzeichnet.

Um den Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam wird seit Jahren gerungen. Die Befürworter des Wiederaufbaus begründen das Bauwerk unter anderem mit der Bedeutung für das Stadtbild und mit einer Wiedergutmachung für den Abriss des Gotteshauses in der DDR. Kritiker verweisen dagegen auf die Geschichte der Garnisonkirche als preußische Militärkirche und ihre Nutzung zur NS-Inszenierung der Reichstagseröffnung im März 1933.

Der Barockbau wurde im Zweiten Weltkrieg im April 1945 bei einem alliierten Luftangriff auf den Potsdamer Hauptbahnhof weitgehend zerstört und 1968 in der DDR abgerissen. Der Grundstein für den neuen Kirchturm wurde 2005 gelegt, die Bauarbeiten haben im Herbst 2017 begonnen.