400 Kilo Roggenkorn im ehemaligem Todesstreifen geerntet

400 Kilo Roggenkorn im ehemaligem Todesstreifen geerntet

An der Kapelle der Versöhnung in der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße ist am Donnerstag wieder Roggen geerntet worden. Auf dem knapp einen halben Hektar großen Getreidefeld auf dem früheren Todesstreifen kam ein Mähdrescher der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zum Einsatz, die das Projekt seit 2006 betreut. Ein Teil wurde zudem mit der Sense gemäht, um die langen Strohhalme anschließend zu sogenannten Bienen-Schieden zur ökologischen Bienenhaltung zu verarbeiten.

Die rund 400 Kilogramm geerntetes Roggenkorn werden nach Angaben der Stiftung Berliner Mauer für verschiedene Projekte eingesetzt. Unter anderem wird daraus Brot gebacken, das einmal wöchentlich an Besucher der Kapelle der Versöhnung ausgegeben wird. Roggenkörner werden außerdem für eine Mahlzeit oder zur Aussaat in kleine 300-Gramm-Säckchen abgefüllt, die gegen eine Spende ebenfalls an der Kapelle erhältlich sind. Zuletzt habe die Versöhnungsgemeinde Nachrichten von Besuchern aus den Niederlanden und aus Schottland erreicht, die den Roggen zu Hause ausgesät haben.

Ein weiterer Teil der Ernte wird zudem im Rahmen des Projekts Friedensbrot nach Litauen geschickt. Dort wird es mit Getreide aus elf Ländern Mittel- und Südosteuropas, welches aus Roggensaatgut von der Bernauer Straße gewachsen ist, gemischt, gemahlen und zu einem gemeinsamen europäischen "FriedensBrot" verbacken. Das anfallende Stroh wurde zur Verbesserung der Bodenqualität in den Boden eingearbeitet.

Der Getreideanbau auf dem ehemaligen Todesstreifen und heutigen Mauer-Gedenkstättenareal geht auf ein temporäres Kunstprojekt im Jahr 2005 zurück, aus dem dann eine dauerhafte Einrichtung wurde. Kooperationspartner sind neben der Humboldt-Universität erstmals in diesem Jahr auch die Caritas-Werkstatt St. Johannesberg aus Oranienburg, die die Bienen-Schieden verarbeitet.

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