Journalistin: Rechtsextreme Mordreihe kann wieder vorkommen

Journalistin: Rechtsextreme Mordreihe kann wieder vorkommen

Die Reporterin Annette Ramelsberger hat davor gewarnt, die Taten der rechten Terrorgruppe NSU als einmaliges Verbrechen zu den Akten zu legen. Es gebe keine Garantie dafür, dass eine rechtsextremistisch motivierte Mordreihe wie die des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) nicht bald wieder vorkommen könne, sagte Ramelsberger am Freitag in Berlin. Sie präsentierte gemeinsam mit der Bundeszentrale für Politische Bildung das Buch "Der NSU-Prozess. Das Protokoll".

Da es vom NSU-Prozess kein offizielles Gerichtsprotokoll gibt, zeichnete die Gerichtsreporterin Ramelsberger, zusammen mit ihren Kollegen bei der "Süddeutschen Zeitung", Tanjev Schulz, Rainer Stadler und Wiebke Ramm alle Gespräche der 438 Verhandlungstage für die Öffentlichkeit auf. Das Ergebnis wurde von der Bundeszentrale herausgegeben.

"Wir haben diese Rechtsradikalen gesehen, die im Saal saßen und dem Gericht ins Gesicht gelacht haben", sagte Ramelsberger. Viele Verbindungen zwischen nicht verurteilten Mitgliedern der rechtsradikalen Szene und dem NSU seien allen am Prozess Beteiligten bewusst gewesen, auch dem Gericht. Es sei aber schwierig gewesen, juristische Schlüsse zu ziehen.

Für Ramelsberger war der NSU-Prozess auch vor allem eine "Tiefenbohrung in die deutsche Gesellschaft". Bei Zeugenbefragungen hätten sich oft Abgründe entwickelt, die offenbart hätten, wie sehr rechtes Gedankengut für viele Menschen zum Alltag gehöre. "Der NSU-Prozess hat uns mit jedem Tag mehr in eine Szene geführt, die es offensichtlich nicht nur in Zwickau gibt", sagte die Journalistin.

Persönlich sei der Prozess vor allem in den letzten Jahren für sie emotional belastend gewesen. Er habe alle, die regelmäßig im Gerichtssaal saßen, verändert: "Wenn man so lange in den Abgrund blickt, blickt der Abgrund zurück."

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