Denis Mukwege: Deutschland muss Verantwortung im Kongo wahrnehmen

Denis Mukwege: Deutschland muss Verantwortung im Kongo wahrnehmen

Der kongolesische Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege hat an Deutschland appelliert, seine Verantwortung im Kongo wahrzunehmen. "Deutschland kann andere Länder dazu bewegen, etwas an der Lage im Kongo zu ändern", sagte Mukwege am Montag bei einem Empfang in Tübingen, wo er sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug.

Langfristig sei es keine Lösung, dass der Automobilhersteller BMW kein Coltanerz mehr für seine Elektroautos aus dem Kongo beziehe, erklärte der Arzt und Menschenrechtsaktivist. "Auch wenn BMW kein Coltan kauft, wird das China machen und es dadurch auch nach Deutschland kommen." Man solle sich nicht vom Kongo abwenden, sondern faire Bedingungen für den Coltanabbau schaffen. Deshalb fordere er, dass Coltan- und Geldströme transparent gemacht werden. Die chinesischen Firmen beraubten das Land unter furchtbaren Bedingungen und zerstörten den Regenwald, kritisierte Mukwege.

Boris Palmer, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen (Grüne), forderte Druck auf die zwei großen ausländischen Firmen, die im Kongo Coltan fördern, um sie zu Änderungen im Abbau zu bewegen. Nur Mineralien sollten genutzt werden, die Menschen nicht leiden lassen.

Der 63-jährige Mukwege operiert im Ostkongo, wo Vergewaltigung häufig im Kampf um Macht oder Kontrolle über die reichen Bodenschätze eingesetzt wird, vergewaltigte und schwer verstümmelte Frauen und ist einer der führenden Spezialisten auf seinem Gebiet. Im vergangenen Jahr wurde er gemeinsam mit der Jesidin Nadia Murad, die sich für Frauenrechte einsetzt, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Mukwege kam auf Einladung des Tübinger Deutschen Instituts für Ärztliche Mission e.V. (Difäm) nach Deutschland.