Wissenschaftlerin: Christliche Influencerin Jana ist wie Schwester

 ana Highholder ist das Gesicht des Youtube-Kanals "Jana".

© epd-bild/Joern Neumann

Influencerin Jana Highholder im Studio von Mediakraft Networks in Köln.

Wissenschaftlerin: Christliche Influencerin Jana ist wie Schwester
Die christliche Influencerin Jana Highholder wirbt seit einem Jahr im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für christliche Inhalte bei Youtube. Was zunächst als Experiment auf ein Jahr beschränkt war, soll nun mindestens bis Ende 2019 weiterfinanziert werden. Doch der Kanal steht auch in der Kritik. Kritiker werfen Jana vor, ein überholtes Familienbild zu vertreten. Der Evangelische Pressedienst (epd) hat mit der Medienwissenschaftlerin Maya Götz über "Jana" gesprochen. Götz hat eine Studie über Influencerinnen bei Instagram und Youtube veröffentlicht.

Frau Götz, wie erklären Sie den Erfolg von Jana Highholder als christliche Influencerin?

Maya Götz: Jana ist schön, sie ist blond, sie ist erfolgreich, agiert natürlich vor der Kamera und geht offen und sympathisch auf andere zu. Damit passt sich der Youtube-Kanal "Jana" inhaltlich und ästhetisch gut in die anderen Angeboten eingeschränkter Weiblichkeitsbilder ein, die Influencer und Influencerinnen derzeit machen und die ältere Kinder, Jugendliche und jungen Erwachsene kennen. Die jungen Menschen nutzen Youtube- und Instagram-Channel zur Orientierung. Influencerinnen und Influencer sind die neuen Helden und Heldinnen unserer Zeit.

Warum funktioniert das Konzept der Influencerin für christliche Inhalte?

Maya Götz: Zwischen Influencerin und Zuschauern entsteht eine hohe Intimität durch die direkte persönliche Ansprache, die Möglichkeit zum direkten Austausch. Die Forschung beschreibt dieses Phänomen als parasoziale Beziehung. Auch Jana gibt ihren Zuschauern das Gefühl, wie eine Freundin oder große Schwester zu sein. Sie fragt und überlegt, was Jugendliche, die sich für christliche Werte interessieren, sich auch fragen. Sie tritt als Ratgeberin auf, die Lebenstipps gibt. Den Zuschauern wird aber freigestellt, ob sie sich der Meinung anschließen oder sie verwerfen.

Wie unterscheidet sich Jana Highholder denn von anderen Influencerinnen?

Maya Götz: Die meisten Frauen können sich bei Youtube und Instagram nur über Beauty, Lifestyle und Reisen finanzieren. Das ist leider das aktuelle Geschäftsmodell. Auf Janas Kanal geht es nicht darum, ein Produkt oder Reiseziel zu verkaufen, sie steht für einen Inhalt und explizit für christliche Werte. Insofern ist sie eine Erweiterung zu den aktuellen Influencerinnen.

Es gab Kritik an Jana Highholder, weil sie in einem ihrer Videos angelehnt an ein Bibelzitat befürwortet hat, dass der Mann das Oberhaupt der Familie sein sollte. Können Sie die Kritik an diesen Inhalten denn nachvollziehen?

Maya Götz: Ich kann die Kritik aus feministischer Perspektive gut verstehen. Jana argumentiert postfeministisch. Sie ist ein sogenanntes Top-Girl: hochgradig leistungsbereit und angepasst, eine Einser-Schülerin, die überall durchkommt. Sie lebt ihre Weiblichkeit auf eine idealisierte und gelegentlich naive Art. Dabei fehlen ihr noch diverse Erfahrungen zum Beispiel mit anderen familiären Modellen, was sie ja auch unumwunden und auf sympathische Weise zugibt. Richtig spannend wird es werden, wenn sie Abwertungen und Einschränkung erfährt, weil sie eine Frau ist oder eine erotische Beziehung mit einem Partner oder einer Partnerin eingeht. Es erscheint mir fraglich, ob die EKD ausschließlich so ein Frauen- und Familienbild als Vorbild für junge Frauen anbieten sollte oder ob es nicht dazu auch noch ein Gegengewicht braucht.

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