"Die Ökumene lebt"

In der historischen Nieuwe Kerk in Amsterdam, wo der Weltkirchenrat am 23. August 1948 gegründet wurde, wurde mit einem Festgottesdienst das 70-jährige Bestehen gefeiert

Foto: epd/Albin Hillert/WCC

In der historischen Nieuwe Kerk in Amsterdam wurde mit einem Festgottesdienst am Gründungsort des Ökumenischen Rats der Kirchen das 70-jährige Bestehen der Gemeinschaft gefeirt.

"Die Ökumene lebt"
Weltkirchenrat feiert 70-jähriges Bestehen - EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm: ÖRK ist Antwort auf Spaltung der Kirchen
70 Jahre nach seiner Gründung kommt der Weltkirchenrat an seinem Ursprungsort zusammen: In der Nieuwe Kerk in Amsterdam, wo der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) 1948 gegründet wurde, feierten Gläubige aus aller Welt im Geist der Ökumene.

Mit einem Festgottesdienst an seinem Gründungsort hat der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) am Donnerstag sein 70-jähriges Bestehen gefeiert. In der historischen Nieuwe Kerk in Amsterdam, wo der Weltkirchenrat am 23. August 1948 gegründet wurde, würdigten Vertreter der Mitgliedskirchen die Fortschritte der Ökumene in den vergangenen Jahrzehnten. 350 Kirchen in aller Welt sind heute Teil der Gemeinschaft. Sie vertreten mehr als eine halbe Milliarde Christen.

"Der Weltkirchenrat hat seit seiner Gründung die Leben vieler Menschen berührt und den Stimmlosen eine Stimme gegeben", sagte die Vorsitzende des ÖRK-Zentralausschusses, Agnes Abuom von der anglikanischen Kirche von Kenia. "Der Samen, der in Amsterdam vor 70 Jahren gepflanzt wurde, ist heute ein Baum, der Christen weltweit Schatten spendet." Junge Christen unter anderem aus dem Südsudan, Palästina und Südkorea wirkten an dem Gottesdienst mit.

Ort für Dialog und gemeinsames Handeln

Abuom erinnerte an die Ursprünge des Weltkirchenrats, der unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges gegründet wurde und sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt. Der Krieg, der damals Millionen Leben in Europa kostete, tobe heute unter anderem im Nahen Osten, in Afrika und Asien. Der Weltkirchenrat sei deshalb nach wie vor wichtig als Ort für Dialog und gemeinsames Handeln, sagte die Theologin.

Gemeinsames Gebet: Der ÖRK-Generalsekretär, der norwegische Pfarrer Olav Fykse Tveit (in weiss) und neben ihm der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Der norwegische Pfarrer und ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit betonte in seiner Predigt die Notwendigkeit der Einheit. "Die Ökumene lebt", sagte Tveit und erklärte, es gebe nur einen Glauben, eine Menschheit und eine Welt.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, würdigte den ÖRK als Antwort auf die Spaltung der Kirchen. "Es gibt keinen katholischen Christus, keinen orthodoxen Christus und keinen protestantischen Christus! Es gibt nur den einen Jesus Christus, der uns alle vereint," sagte der deutsche Theologe in Amsterdam.

ÖRK-Mitgliedskirchen finden sich in allen Regionen der Welt. Zu ihnen zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, alt-katholische, anglikanische, baptistische, lutherische, mennonitische, methodistische, reformierte und unabhängige Freikirchen sowie einige Pfingstkirchen. Die römisch-katholische Kirche, die fast 1,4 Milliarden Gläubige vereint, ist nicht Mitglied. Vertreter des Vatikans arbeiten jedoch seit Ende der 1960er Jahre in wichtigen ÖRK-Gremien mit.

Der Ratsvorsitzenbde der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, und die Vorsitzende des OeRK-Zentralausschusses, Agnes Abuom von der anglikanischen Kirche von Kenia beim Marsch durch die Innenstadt von Amsterdam.

Bei einem Marsch durch die Innenstadt von Amsterdam erinnerten den Veranstaltern zufolge am Donnerstag rund 250 Menschen an den Einsatz des Weltkirchenrats für Gerechtigkeit und Frieden. Der Marsch symbolisierte den Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens, auf dem die Arbeit des ÖRK beruht. Zuvor hatten sich Vertreter der Mitgliedskirchen bei einem Symposium an der Freien Universität Amsterdam ausgetauscht. Die Veranstaltungen in Amsterdam sind Teil einer Reihe von Jubiläumsfeierlichkeiten, die während des gesamten Jahres an verschiedenen Orten stattfinden.