Forschungsprojekt: Wie sah Luther wirklich aus?

eingeschmolzene Playmobil-Lutherfiguren

Foto: epd-bild/Jörn Neumann

Martin Luthers Antlitz bleibt verschwommen, trotz unzähliger Bilder des Malers Cranach und Zeitzeugenberichten.

Von keiner anderen Person seiner Zeit existieren mehr Bilder als von Martin Luther (1483-1546): Wie der Reformator wirklich aussah, will ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Köln, des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg herausfinden, wie die Kölner Hochschule am Dienstag mitteilte.

Die Leibniz-Gemeinschaft fördert das Projekt mit einer Million Euro. Vor allem der Maler Lucas Cranach der Ältere habe verschiedene Bilder des Reformators geprägt, hieß es: Luther als frommer Mönch, als Junker Jörg, als Reformator oder als Ehemann gemeinsam mit seiner Frau Katharina von Bora. Mit anhaltender Legendenbildung um den Reformator und seiner wachsenden Verehrung seien immer mehr Bilder entstanden, die sich gut verkauften, erklärte die Hochschule.

Das Forschungsprojekt will klären, inwiefern die Gemälde ein realistisches Porträt von Luther entwarfen oder ob sie eine nachträgliche Heroisierung darstellen. Die beteiligten Kunst- und Kirchenhistoriker wollen dazu ein kritisches Werkverzeichnis der frühen Lutherbildnisse aus der Zeit zwischen 1519 und 1530 erstellen.

Weltweit werden dazu den Angaben zufolge alle Lutherporträts des Untersuchungszeitraums untersucht, digital erfasst und durch spezielle Analyseverfahren in ihren "relativen Ähnlichkeitsverhältnissen" dargestellt. Physikalische Analysen und naturwissenschaftliche Methoden sollen bei der Datierung helfen, um belastbarere kunsthistorische Zuschreibungen zu ermöglichen.