Altbischof Huber verteidigt Wohnsitzzwang für Flüchtlinge

Altbischof Huber verteidigt Wohnsitzzwang für Flüchtlinge
Der evangelische Altbischof Wolfgang Huber hat die sogenannte Wohnsitzauflage für Flüchtlinge verteidigt. Er sei der Meinung, dass "sinnvolle Wohnsitzauflagen akzeptiert werden müssen, in denen berücksichtigt wird, wo Menschen Hilfe zuteilwerden kann", sagte der frühere Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Freitag in Berlin.

Huber widersprach Kritik auch aus der eigenen Kirche, dies verstoße gegen das Menschenrecht auf Niederlassungsfreiheit: "Auch dem Gast, dem ich Hospitalität gewähre, sage ich, in welchem Zimmer in meiner Wohnung er übernachten kann", sagte Huber.

Für eine gelingende Integration müssten nicht nur staatliche Angebote gesteuert werden, sondern auch die Flüchtlingsbewegungen selbst, sagte Huber. Es gehe um eine gerechte Verteilung in Europa, genauso aber auch innerhalb Deutschlands. Bewältigt werden könne das Problem nur, wenn es räumlich so verteilt werde, dass alle partizipieren, erklärte der Theologe.

Die von Verbänden und Kirchen kritisierte Wohnsitzauflage wurde mit dem Asylpaket eingeführt. Sie ermöglicht den Ländern, Flüchtlingen einen genauen Wohnort vorzuschreiben, um Ghettobildungen zu verhindern.

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Gleichzeitig würdigte Huber das Engagement der Tausenden Ehrenamtlichen bei der Aufnahme und Integration geflüchteter Menschen. Es gehöre "zu den schrecklichsten Aspekten des postfaktischen Zeitalters", dass dieses Engagement nicht den Raum für Anerkennung bekomme, den es verdiene.

Der frühere Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz redete bei einer Konferenz des Deutschen Landkreistages zur Integration. Die Landräte rief er dazu auf, zu hinterfragen, welche Bedürfnisse und Motive dahinter steckten, wenn Menschen einen ganz anderen Kurs in der Flüchtlingspolitik fordern. Beim Vorwurf, die Politik kümmere sich nicht um die Einheimischen, könne es sich oft nur um "Phantomschmerzen" handeln, sagte Huber. Das gelte im Osten mit einer niedrigen Migrationsquote ebenso wie im gutbehüteten Dorf in Baden-Württemberg. Er appellierte, den Menschen das "Selbstmitleid" zu nehmen.