Bußtag: EKD-Ratsvorsitzender warnt vor "asozialen Medien"

Computertastatur mit dem Wort "Hass" auf einer Taste.

Foto: epd-bild/Jens Schulze

Bußtag: EKD-Ratsvorsitzender warnt vor "asozialen Medien"
Vor einer Verwahrlosung der Sozialen Medien warnt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), HeinrichBedford-Strohm.

Soziale Netzwerke drohten zu "asozialen Medien" zu werden, erklärte Bedford-Strohm am Mittwoch in seiner Predigt am Buß- und Bettag in München: "Nicht mehr Verständigung ist das Ziel, sondern Verurteilung, Verdammung und manchmal richtig gehender Hass", sagte der bayerische Landesbischof laut vorab verbreitetem Redetext.

Menschen in öffentlicher Verantwortung, besonders Politiker, seien "Angriffen ausgesetzt, die nichts mehr mit demokratischem Diskurs zu tun haben", fügte Bedford-Strohm hinzu: "Man will anscheinend nichts mehr voneinander lernen, oder sich zuhören und austauschen, sondern es geht darum, sich zu bekämpfen, manchmal sogar ums Vernichten."

Wenn die Menschen aufhörten zu richten

Wenn Menschen in der Politik einen Fehler machten, "dürfen sie auf keine Gnade hoffen. Sie müssen mit Häme, Spott oder sogar mit Verachtung rechnen. Umso schwerer fällt es, Fehler zuzugeben. Wollen wir diese Gnadenlosigkeit im Umgang miteinander?", fragte der evangelische Sozialethiker.

Droh- und Urteilssprüche, die Menschen anderen entgegenschleudern, hätten ein Ausmaß bekommen wie noch nie. Es habe schon immer Menschen gegeben, die anderen die Hölle an den Hals gewünscht haben, sagte Bedford-Strohm. Doch heute würden solche Sprüche massenhaft wie ein Virus verbreitet. "Sie verbreiten sich wie Gift in einer Gemeinschaft, die wir 'Soziale Medien' nennen, weil sie eigentlich dazu gedacht waren, Menschen in Kommunikation miteinander zu bringen." Was sich gegenwärtig auf vielen Internetseiten abspiele, habe damit aber nichts mehr zu tun.

"Es geht so schnell, dass wir mit großem Pathos Fehlentwicklungen anprangern, dass wir Klartext gegen unannehmbare Haltungen sprechen - und dann nicht nur die Haltungen, sondern auch die Menschen attackieren", erklärte Bedford-Strohm. Es wäre ein "Bußtagswunder 2016", wenn die Menschen aufhörten zu richten.

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