ASB-Vorsitzender: Neues Zivilschutzkonzept ist richtig

ASB-Vorsitzender: Neues Zivilschutzkonzept ist richtig
Das neue Zivilschutzkonzept der Bundesregierung stößt auf Kritik in der Opposition. Sie warnt vor Panikmache. Doch der Arbeitersamariterbund hält die Pläne des Bundes für richtig.

Die Bundesregierung hat ein neues Zivilschutzkonzept beschlossen. Bei einem Angriff oder bei Katastrophen sollen die Bürger besser in der Lage sein, sich zunächst selbst zu helfen. Die Opposition spricht von Panikmache. Doch der Arbeitersamariterbund (ASB) hält die Stoßrichtung der Pläne für richtig. In der Vergangenheit sei viel Wissen über den Selbstschutz verloren gegangen, sagte der ASB-Vorsitzende und Europaparlamentarier Knut Fleckenstein (SPD) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Heute wüssten viele Bürger nicht, wie sie sich bei einer Katastrophe richtig verhalten.

epd: Der Frieden in Europa währt schon 60 Jahre. Ein möglicher Spannungsfall scheint als Begründung für ein neues Zivilschutzkonzept der Bundesregierung reichlich konstruiert. Stimmt die Stoßrichtung der Pläne?

Knut Fleckenstein: Mögliche Spannungsfälle sind ja nicht nur militärischer Natur. Dabei geht es zum Beispiel auch um Situationen wie Terrorattacken oder Amokläufe. Vor allem fallen aber auch Situationen darunter, die wir "hybride Bedrohungslagen" nennen, also zum Beispiel Cyberangriffe, Angriffe mit resistenten Viren oder Virenangriffe auf die Computersysteme von atomaren Anlagen. Deshalb stimme ich mit der Stoßrichtung des Konzeptes überein.

epd: Die letzte Aktualisierung der Strategie zum Schutz der Bürger in Krisenfällen ist 20 Jahre alt. Was hat sich in dieser Zeit mit Blick auf aktuelle Bedrohungen geändert?

Fleckenstein: Es sind zusätzliche Bedrohungen hinzugekommen, an die viele vor 20 Jahren noch nicht gedacht haben. Waren früher oft Prominente das Ziel, zum Beispiel der RAF, kann heute jede und jeder von solchen Anschlägen betroffen sein. Deshalb ist es sinnvoll, wenigstens für einige Tage Vorräte an Lebensmitteln und Trinkwasser, aber auch Kerzen, Streichhölzer, Taschenlampen und einen vollständig gefüllten Erste-Hilfe-Kasten zu Hause aufzubewahren.

epd: Selbst bei größeren Katastrophen wie Überschwemmungen oder Sturmschäden ist im hoch entwickelten Deutschland schnell Hilfe zu erwarten. Braucht es da wirklich Lebensmittelvorräte für zehn Tage?

Fleckenstein: Erinnern Sie sich zum Beispiel an den Stromausfall im Münsterland 2005? Damals waren einige Orte tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, es gab keinen Strom, kaum Heizmöglichkeiten und keine Einkaufsmöglichkeiten. Auch bei den Hochwassern in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Orte, die tagelang nicht erreicht werden konnten und deren Bewohner sich bis zu ihrer Evakuierung selbst versorgen mussten.