Migrationsforscher: Frauen dominieren Flüchtlingshilfe

Migrationsforscher: Frauen dominieren Flüchtlingshilfe
Die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Deutschland scheint vor allem Frauensache. Das geht aus einer Studie des Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung der Berliner Humboldt-Universität hervor. Außerdem engagieren sich viele Christen.

Drei Viertel aller ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer sind laut der Erhebung, die am Donnerstag präsentiert wurde, weiblich. Bei der Gruppe der unter 50-Jährigen sind es sogar mehr als 80 Prozent. Für die Studie "Strukturen und Motive der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit (EFA) in Deutschland" wurden bundesweit 2.291 Personen online befragt. Die Ergebnisse seien jedoch nicht repräsentativ, betonten die Autoren Serhat Karakayali und Olaf Kleist. Die Befragung fand im November und Dezember 2015 statt.

Eine fundierte wissenschaftliche Erklärung zu der auffällig unterschiedlichen Verteilung der Geschlechter bei der Flüchtlingshilfe gebe es bislang nicht, betonte Karakayali. In anderen sozialen Bereichen sei der Männeranteil in der Vergangenheit deutlich gewachsen.

Zeichen gegen Rassismus

Gut die Hälfte der Befragten (51 Prozent) fühle sich einer Religion zugehörig, während 42 Prozent angaben, konfessionslos zu sein, hieß es. Die große Mehrheit der religiös gebundenen Flüchtlingshelfer waren Christen (93,9 Prozent). Dabei entsprach die Verteilung auf die Konfessionen (knapp 52 Prozent evangelisch, knapp 39 Prozent katholisch) weitgehend dem Bundesdurchschnitt. Nur 2,5 Prozent der befragten Flüchtlingshelfer waren Muslime.

Der Wissenschaftler Olaf Kleist vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien an der Universität Osnabrück begründete den niedrigen Anteil von Muslimen damit, dass die Stichprobe unter anderem in vielen Kleinstädten erhoben worden sei, wo möglicherweise weniger Muslime leben. Auch dass die Befragung auf Deutsch stattfand, könne ein Grund für den geringen Anteil von Muslimen sein.

Die überwiegende Mehrheit der Befragten wolle mit ihrem Einsatz "die Gesellschaft zumindest im Kleinen verändern" (97 Prozent) und ein Zeichen gegen Rassismus setzen (90 Prozent), hieß es. 45 Prozent sehen ihre Arbeit auch als Kritik am Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland.

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