Gladbecker Geiselgangster kämpft weiter gegen ARD-Verfilmung

Gladbecker Geiselgangster kämpft weiter gegen ARD-Verfilmung
Der Gladbecker Geiselgangster Hans-Jürgen Rösner setzt sich weiterhin gegen eine ARD-Verfilmung zur Wehr. Die Dreharbeiten haben am Montag begonnen.

Gegen einen abgewiesenen Prozesskostenhilfeantrag legte Hans-Jürgen Rösner Beschwerde beim Oberlandesgericht Köln ein, wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte. Das Landgericht Aachen hatte den Antrag Anfang Juni abgelehnt. Zur Begründung hieß es damals, dass die von Rösner angestrebte einstweilige Verfügung keine Erfolgsaussichten habe. Durch den Film würden zwar seine Persönlichkeitsrechte berührt, doch diese hätten hinter der Meinungs- und Rundfunkfreiheit zurückzustehen. (AZ: 15 W 42/16)

Die Dreharbeiten für das zweiteilige Doku-Drama "Gladbeck" begannen am Montag. Nach dem Drehbuch von Holger Karsten Schmidt und unter der Regie von Kilian Riedhof stehen unter anderen Ulrich Noethen und Martin Wuttke vor der Kamera. Der Film ist eine Produktion von Ziegler Film in Koproduktion mit ARD Degeto und Radio Bremen für Das Erste.

Zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt

Rösners Aachener Anwalt Rainer Dietz argumentierte, die geplante Verfilmung gefährde eine mögliche Wiedereingliederung seines Mandanten in die Gesellschaft. Über den Weg der Prozesskostenhilfe hatte Rösner seinen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Berliner Produktionsfirma Ziegler Film finanziell absichern wollen. Die Hilfe kann von einkommensschwachen Personen beantragt werden, wird aber nur bei hinreichenden Erfolgsaussichten gewährt.

Der Anwalt von Ziegler Film, Christian Schertz, hatte darauf verwiesen, dass es sich bei dem Geiseldrama um eines der spektakulärsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte handele. Die Täter seien bis heute im wahrsten Sinne des Wortes Personen der Zeitgeschichte und müssten daher grundsätzlich eine filmische Darstellung der Tat hinnehmen, vergleichbar mit den Terroristen der RAF.

Rösner hatte 1988 mit seinem Komplizen Dieter Degowski eine Bank in Gladbeck überfallen. Bei der anschließenden Flucht durch Deutschland und die Niederlande kamen zwei Geiseln und ein Polizist ums Leben. Rösner und Degowski wurden 1991 zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Rösner sitzt derzeit in der Justizvollzugsanstalt Aachen.