Schock und Entsetzen nach Axt-Attentat in Würzburg

Schock und Entsetzen nach Axt-Attentat in Würzburg
Ein afghanischer Jugendlicher schlägt in einem Regionalzug bei Würzburg am Montagabend mit einer Axt um sich. Mehrere Menschen werden teils schwer verletzt, er selbst wird von der Polizei erschossen.
19.07.2016
Von Daniel Staffen-Quandt (epd)
epd

Nach dem Anschlag in einem Regionalzug bei Würzburg gibt es noch keine Klarheit über die Motive des Täters. Der aus Afghanistan stammende 17-Jährige habe sich möglicherweise selbst radikalisiert, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag in München. Der Jugendliche war am Montagabend mit einer Axt und einem Messer auf die Fahrgäste losgegangen. Mindestens fünf Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, vier von ihnen schwer. Der mutmaßliche Täter wurde von Beamten eines Sondereinsatzkommandos erschossen.

In der Unterkunft des jungen Mannes wurde nach Angaben des bayerischen Innenministeriums eine handgemalte Flagge der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gefunden. Zudem soll der 17-Jährige bei der Tat auf arabisch "Gott ist groß" gerufen haben. Man habe aber bislang "keinerlei Indizien", die auf eine Vernetzung des Attentäters mit islamistischen Organisationen hindeuten würden, sagte Innenminister Herrmann, der einen islamistischen Hintergrund der Tat zunächst nicht ausgeschlossen hatte.

Vorgehen der Polizei verteidigt

Der Minister verteidigte das Vorgehen der Polizei. Beamte eines Sondereinsatzkommandos hatten den mutmaßlichen Täter nach seiner Flucht aus dem Zug am Montagabend im Stadtteil Heidingsfeld erschossen. "Die Tat war für den Täter nicht abgeschlossen", sagte Herrmann. Es habe ein erhebliches Risiko für die Menschen bestanden, denen der Täter noch hätte begegnen können.

Man habe von dem 17-Jährigen selbst verfasste Texte gefunden, berichtete Herrmann. Darin fänden sich Hinweise, dass der mutmaßliche Täter fordere, dass sich Muslime zu Wehr setzen müssten. Ein anderer Text lese sich wie eine Art Abschiedsbrief.

Der afghanische Flüchtling wurde dem bayerischen Sozialministerium zufolge im Rahmen der Jugendhilfe intensiv betreut. Man müsse jetzt genau analysieren, "wie es trotz dieser guten Voraussetzungen" zu dieser Gewalttat kommen konnte, sagte Sozialministerin Emilia Müller (CSU).

Kirchen-Vertreter entsetzt

Der mutmaßliche Täter hatte nach Angaben der Polizei gegen 21.15 Uhr in einem Regionalzug auf der Strecke von Treuchtlingen nach Würzburg mehrere Menschen mit einer Axt und mit einem Messer attackiert. Auf chinesischen Internetseiten kursieren Handybilder aus dem Zug, die ein blutverschmiertes Abteil zeigen. Im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld wurde der Zug von einem Mitfahrenden per Notbremse gestoppt.

Alle Schwerverletzten stammen der Zeitung "South China Morning Post" zufolge aus Hongkong. Es soll sich dabei um eine Familie handeln, einen 62-jährigen Mann, seine 58-jährige Frau, deren 27-jährige Tochter und einen 31-jährigen Mann. Der Vater und ein Freund der Familie haben Medienberichten zufolge versucht, andere Mitglieder einer Gruppe vor dem Angreifer zu schützen. Der Uniklinik Würzburg zufolge befinden sich drei Patienten nach dem Axt-Attentat in der Klinik in Behandlung - alle seien lebensbedrohlich verletzt.

Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen in Würzburg zeigten sich entsetzt über den Vorfall. Der katholische Bischof Friedhelm Hofmann sagte, man sei in einem solchen Moment sprachlos: "Diese Tat ist nicht zu verstehen." Hofmann warnte zugleich davor, die Asylsuchenden nun unter Generalverdacht zu stellen: "Vielleicht müssen wir die unbegleiteten Minderjährigen noch mehr begleiten." Ihnen müsse geholfen werden, ihre Traumata zu überwinden. Die evangelische Dekanin Edda Weise zeigte sich ebenfalls schockiert.