Expertin: Computerspielsucht-Prävention schon in Kita nötig

Vorbeugung vor Computerspielsucht ist nach Ansicht der Psychologin Eva-Maria Zenses bereits in der Kita wichtig.

"Inzwischen spielen schon die meisten Kleinkinder auf elektronischen Medien", sagte Eva-Maria Zenses, die am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen eine Studie über Computerspielsucht verfasst hat und an der Universität Hildesheim lehrt, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Aus der Suchtforschung sei bekannt, dass man mit Prävention bereits vor der eigentlichen Handlung beginnen müsse. "Es ist deshalb wichtig, die Eltern frühzeitig anzusprechen. Solche Angebote gibt es in Kitas aber bislang viel zu selten", kritisierte die Erziehungsberaterin bei der Caritas Hildesheim.

Ein wesentliches Problem sei, dass die Kitas oft zurückhaltend mit dem Thema Spielsucht umgingen: "Viele Erzieher sind gehemmt, denn sie wollen ja eigentlich frühzeitig die Medienkompetenz der Kinder fördern." Bei Kleinkindern sei das aber problematisch, sagte Zenses: "In diesem Alter kommt es vielmehr darauf an, die Lust auf das Leben jenseits des Digitalen zu wecken." Aus ihrer Sicht spreche nichts dagegen, Kindern vor dem Grundschulalter gar keine digitalen Spiele zu erlauben.

Suchtproblem oft zu spät bemerkt

Sie rate Eltern auf jeden Fall, von Anfang an mit den Kleinkindern über die Inhalte der Spiele zu sprechen und vor allem die Spieldauer zu begrenzen, erläuterte Zenses. "Selbst Erwachsene kennen das ja, dass sie beim Spielen völlig die Zeit vergessen. Wenn man Kinder damit alleine lässt, überfordert man sie." Eltern sollten die Zeiten dann auch kontrollieren: "Smartphones und Tablets gehören nicht unkontrolliert ins Kinderzimmer." Problematisch sei, wenn Kinder länger als dreieinhalb Stunden pro Tag daddelten.

Oft werde ein Suchtproblem bei Kindern und Jugendlichen viel zu spät bemerkt, warnte die Psychologin. "Computerspielsüchtige sind keine typischen Problemkinder. Die Kinder sind zu Hause, sie machen keinen Stress, rebellieren nicht." Häufig falle die Sucht erst auf, wenn Dramatisches passiere, das Kind beispielsweise in der Schule nicht mehr mitkomme. Studien zufolge sei rund jeder 100. Jugendliche abhängig von Computerspielen.

Ihrer Meinung nach sollten Eltern aber auch nicht zu schnell alarmiert sein. "Es gehört zum Erwachsenwerden dazu, Dinge exzessiv auszuprobieren", erläuterte die Erziehungsberaterin. Spätestens am Beginn des Erwachsenenalters reduzierten viele die Zeit, die sie spielten, von selbst. "Andere Dinge werden ihnen wichtiger: Das kann beispielsweise der Berufseinstieg sein oder die erste Freundin", sagte Zenses.