Pro und Kontra: Sind Ärztebewertungsportale im Internet hilfreich?

Pro und Kontra: Sind Ärztebewertungsportale im Internet hilfreich?
Viele Ärzte sehen informierte Patienten kritisch, zu diesem Ergebnis kam eine kürzlich veröffentlichte Studie. Manches finden Patienten auch auf Ärztebewertungsportalen. Was können diese Angebote leisten, was sind Probleme? Argumente von Experten.
14.06.2016
epd
Von Matthias Klein (epd)

Frankfurt a.M. (epd). Im Internet können Patienten auf vielen Seiten etwas über Krankheiten oder Ärzte finden. Immer mehr Betroffene suchen auf eigene Faust nach Informationen über Krankheiten: Das gaben fast alle Ärzte in dem kürzlichen veröffentlichten Gesundheitsmonitor von Bertelsmann Stiftung und Barmer GEK an. Die Mediziner sehen das kritisch: 73 Prozent der niedergelassenen Ärzte in Deutschland finden informierte Patienten mindestens problematisch. Auch Ärztebewertungsportale sind eine Informationsquelle. Experten sehen positive Seiten ebenso wie Gefahren für Patienten, wenn sie sich dort auf die Suche nach einem Mediziner machen.

Informationen für Patienten

"Ärztebewertungsportale sind sinnvoll, weil sie Patienten ermöglichen, sich selbst unabhängig zu informieren", sagt Kai Helge Vogel vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Früher seien Patienten dafür auf Mundpropaganda oder bei Fachärzten auf Empfehlungen ihres Hausarztes angewiesen gewesen. Nun seien die Möglichkeiten wesentlich größer, zumal viele Ärzte noch keine eigene Homepage betrieben, erklärt Vogel. Positiv sei, dass Patienten auf den Portalen Hinweise zu Aspekten wie Wartezeiten oder zum Umgang der Ärzte mit privaten Zusatzleistungen finden könnten. Als kritisch beurteilen Experten, dass Patienten keine zuverlässigen Informationen über die Fachkompetenz des Arztes bekommen. "Sie können nachsehen, wie zufrieden jemand war - aber nicht, ob die Behandlung gut war. Das können Patienten ja auch kaum beurteilen", sagt Corinna Schaefer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin, einer gemeinsamen Einrichtung der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. "Viele Patienten finden nicht das, wonach sie eigentlich suchen." Eine Studie sei zu dem Ergebnis gekommen, dass viele die Online-Portale deshalb nicht hilfreich fänden.

Aussagekraft der Bewertungen

"Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass man oft ein verzerrtes Bild von dem Arzt bekommt", erläutert Schaefer. Es sei auffällig, dass es auf vielen Portalen nur wenige mittlere Bewertungen gebe. "Vermutlich schreiben eher die, die total zufrieden oder total unzufrieden waren." Die Portale müssten negative Bewertungen nach Gerichtsurteilen gründlich prüfen. Hinzu komme, dass es bei vielen Ärzten nur Bewertungen von sehr wenigen Patienten gebe, auch dadurch bleibe das Bild eingeschränkt.

Anonymität der Bewertungen

Dass Nutzer Ärzte ohne Nennung ihres Namens bewerten können, habe zwei Seiten, bilanziert Schaefer. "Wenn man nicht anonym schreiben kann, ist die Scheu größer, ehrlich zu sein." Allerdings sei es dadurch auch nicht nachvollziehbar, wer eine Bewertung geschrieben habe und ob der Verfasser wirklich bei dem bewerteten Arzt war.

Transparenz der Portale

Viele Portale machten inzwischen transparenter, wie Rankings von Ärzten zustande kommen und welche Kriterien zugrunde liegen, erläutert Vogel. "Der Trend ist eindeutig positiv." Angestoßen worden sei dies auch durch Gerichtsurteile, die Portale zu Transparenz verpflichten. Auf manchen Portalen sei es für die Nutzer seiner Meinung nach dennoch schwierig, Werbung von Ärzten und Nutzerbewertungen auseinanderzuhalten.

Vielfalt der Portale

Experten nennen als kritischen Punkt, dass es sehr viele Portale von unterschiedlicher Qualität gibt. "Als Nutzer muss man genau schauen, auf welches Portal man klickt und wie ein Ergebnis für einen Arzt dort zustande kommt", sagt Vogel. Medienkompetenz und ein kritischer Blick seien nötig, um die Informationen einzuordnen.

Feedback für Ärzte

Ernsthafte Kommentare könnten für Ärzte eine Möglichkeit sein, eine Rückmeldung für ihre Arbeit zu bekommen, nennt Schaefer als Argument. "Es kann ja sein, dass sich die Patienten nicht trauen, im persönlichen Gespräch ehrlich zu sagen, was sie stört." Sie gibt allerdings zu bedenken: "In manchen negativen Kommentaren wird eine enorme Anspruchshaltung deutlich. Das finde ich bedenklich."