Katholikentag: Signale nach außen und innen

Austeilen der Hostien bei der Eucharistiefeier im Schlussgottesdienst

Foto: epd/Friedrich Stark

Austeilen der Hostien bei der Eucharistiefeier im Schlussgottesdienst

Die AfD war nicht nach Leipzig eingeladen, trotzdem beherrschte sie viele Schlagzeilen zum 100. Katholikentag, der am Sonntag endete. Geprägt war er von gesellschaftlichen und innerkirchlichen Debatten und dem Wunsch, mit Nicht-Christen zu sprechen.

Über dem Marktplatz in Leipzig schwebt ein meterhoher hellgrüner Kringel. "Es wird wohl irgendein christliches Symbol sein", überlegt eine Passantin. Zu viel interpretiert: Der gigantische Luftballon ist einfach eine Null - aus der 100 für den 100. Deutschen Katholikentag. In einer Stadt, in der nur vier Prozent der Einwohner katholisch sind und nur jeder Fünfte einer Kirche angehört, sind Missverständnisse wohl programmiert, wenn Zehntausende engagierte Christen die Stadt fünf Tage lang für ihr Laientreffen einnehmen.

Dabei hatten die Organisatoren, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, genau deshalb Leipzig für den Jubiläums-Katholikentag mit dem Motto "Seht, da ist der Mensch" ausgesucht. Unter der Überschrift "Leben mit und ohne Gott" wollten sie mit Nicht-Christen ins Gespräch kommen, zum Beispiel in der Stadtbibliothek, niedrigschwellig und ohne Eintritt. Wie das gelang, ist schwer einzuschätzen. Der Präsident des Zentralkomitees, Thomas Sternberg, sagte zum Abschluss am Sonntag, die Katholiken hätten erfahren, wie es ist, "wenn wir uns unter Menschen bewegen, denen Glaube und Kirche schlicht unbekannt sind".

"Ihr habt die Option, zu handeln, dann handelt auch"

Ausgewirkt hat sich die Entscheidung für Leipzig auf die Zahl der zahlenden Teilnehmer. Die war mit rund 34.000 Dauergästen im Vergleich zu 2014 zwar stabil, blieb aber mit insgesamt 6.000 Tagesgästen deutlich hinter den Erwartungen. Dabei hatte das katholische Laientreffen neben Gottesdiensten, Gebeten und Prozessionen einiges zu bieten, was die Gesellschaft bewegt: Diskussionen über Flüchtlinge, Rechtsextremismus, gerechtes Wirtschaften, den Islam und Datenschutz, zum Teil mit Prominenten wie Bundespräsident Joachim Gauck.

Doch nach außen hin beherrschte ein Akteur die Wahrnehmung, der gar nicht da war: die AfD. Immer wieder musste ZdK-Präsident Sternberg gegenüber Kritikern begründen, wieso das Zentralkomitee beschlossen hatte, keine Vertreter der AfD einzuladen: Es sei nicht möglich, mit einer Bewegung über Flüchtlinge zu diskutieren, die sich so menschenverachtend äußere.



Keine Auseinandersetzungen wollten die Laienvertreter des ZdK mit den Bischöfen führen. Gerade in einer weitgehend säkularen Stadt solle nicht der Eindruck entstehen, die katholische Kirche beschäftige sich weitgehend mit sich selbst, sagte Sternberg.

Das sahen andere anders. Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf hatte in seinem Festvortrag zum 100. Katholikentag den deutschen Laienkatholizismus dazu aufgefordert, mit eindeutigen Stellungnahmen "wieder mehr Durchschlagskraft und Sichtbarkeit in Kirche und Welt zu entwickeln". Und nach den vatikanischen Familiensynoden und dem päpstlichen Schreiben "Amoris laetitia" rief Tim-Oliver Kurzbach - Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Köln - den Bischöfen ungeduldig zu: "Ihr habt die Option, zu handeln, dann handelt auch." Der Berliner Erzbischof Heiner Koch dämpfte jedoch die Hoffnungen: "Wir müssen in Ruhe darüber nachdenken."

"Fruchtlos, die alten Debatten weiter zu führen"

Auch die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" reklamierte Reformbedarf im Inneren. Wenn die Kirche nicht auch innerkirchliche Fragen angehe, werde sie "weder den Einfluss noch die moralische Kraft haben, die Strukturen der Gesellschaft zu kritisieren und weiterzuentwickeln".

Einigkeit herrschte in der Forderung nach der Weihe für Diakoninnen. Kurz vor dem Katholikentag hatte Papst Franziskus überraschend eine historische Untersuchung dazu angekündigt - und rannte damit bei den deutschen Katholiken offene Türen ein.

Im Jahr vor dem 500. Reformationsjubiläum hoben die Katholiken auch ihr gutes Verhältnis zu den Protestanten hervor. Von Anfang bis Ende habe "eine starke gemeinsame Haltung" geherrscht, sagte der Generalsekretär des ZdK, Stefan Vesper. Und so kam es in der Thomaskirche zwischen den obersten Repräsentanten trotz der Ankündigung einer Disputation nicht zu einem Streitgespräch, sondern zur einmütigen Betonung des bereits Erreichten. Es sei, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zum Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, "fruchtlos, die alten Debatten weiter zu führen".