Medienexperten: Journalisten mitverantwortlich für Medienmisstrauen

Medienexperten: Journalisten mitverantwortlich für Medienmisstrauen
Für das mangelnde Vertrauen der Bevölkerung in die Berichterstattung sind die Medien nach Ansicht von Medienexperten mitverantwortlich.

Die Berichte der deutschen Leitmedien über außenpolitische Themen hätten in den vergangenen Jahren eine große Übereinstimmung mit der Politik der Bundesregierung gezeigt, sagte der Journalistik-Professor Michael Haller am Dienstag im Deutschlandfunk. Als Beispiele nannte er den Ukraine-Konflikt und die Eurokrise. Viele Menschen hätten das Gefühl, dass die Medien ihrer Aufgabe als kritische Kontrollorgane nicht mehr gerecht würden.

Zweifel an Unabhängigkeit

Laut Haller sehen viele Nutzer ihre Meinung zudem nicht ausreichend in den Medien repräsentiert. Einer am Montag vom Bayerischen Rundfunk (BR) veröffentlichten Studie zufolge zweifelt die Mehrheit der deutschen Bevölkerung an der Unabhängigkeit der Medien. Demnach sind 60 Prozent der Befragten der Ansicht, dass als unerwünscht geltende Meinungen von den Medien ausgeblendet würden und dass es Vorgaben für die Berichterstattung etwa von staatlicher Seite oder den Parteien gebe. Für die Studie "Vertrauen in die Medien" hat das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid zwischen dem 11. März und 2. April bundesweit 1.000 Menschen im Auftrag des BR per Telefon befragt.

Auch der Medienwissenschaftler Norbert Bolz verortet den Grund für das Misstrauen der Bürger in die Medien im Berufsfeld selbst. So verstünden sich gerade die Journalisten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zunehmend als "Volkspädagogen, die die Menschen auf den richtigen Weg führen wollten", sagte Bolz im Deutschlandradio Kultur. Entsprechend seien viele Journalisten der Ansicht, den Menschen müssten mitunter "gewisse Informationen" vorenthalten werden, da sie noch nicht damit umgehen könnten. "Das ist etwas, was ich wirklich auch bedenklich finde", mahnte Bolz.

Der Medienwissenschaftler rät, die Medien müssten sich wieder auf ihren ursprünglichen Auftrag zurückbesinnen: Journalisten sollen "schlicht berichten, was passiert, was man weiß. Und den Bürgern selber das Urteil überlassen."