China schafft Ein-Kind-Politik ab

epd-bild / Jens Schulze

In China dürfen Paare künftig mehr als ein Kind bekommen.

China schafft Ein-Kind-Politik ab
In China sinkt seit einigen Jahren die Zahl der Einwohner in arbeitsfähigem Alter. Die Regierung hat nun das Ende der jahrzehntealten Ein-Kind-Politik beschlossen.

Peking (epd)Künftig dürfen Paare offiziell zwei Kinder bekommen, wie die Kommunistische Partei in Peking am Donnerstag bekannt gab. Der Grund seien die Überalterung der Gesellschaft und ein drohender Arbeitskräftemangel, erläuterte die staatliche Zeitung "China Daily". Bereits 2013 hatte die chinesische Führung erste Schritte zur Lockerung der Ein-Kind-Politik unternommen.

Damals hatte die Zentralregierung Paaren ein zweites Kind erlaubt, sofern mindestens ein Elternteil selbst Einzelkind war. Nun geht die Führung in Peking noch deutlich weiter. Rund 100 Millionen Paare hätten im Rahmen einer allgemeinen Zweikind-Politik das Recht auf weiteren Nachwuchs, erläuterte der Sozialwissenschaftler Yuan Xin von der Nankai-Universität in Tianjin in der "China Daily". Nach seiner Einschätzung dürften eher Land- als Großstadtbewohner die neuen Möglichkeiten nutzen, da Menschen in ländlichen Gebieten mehr Interesse an größeren Familien hätten.

Experte: China braucht Babyboom

Yuan forderte weitere Reformen im Bereich der Sozial- und Wirtschaftspolitik, um günstigere Bedingungen für Familien mit mehreren Kindern zu schaffen. Laut offiziellen Statistiken sinkt in China die Zahl der Einwohner in arbeitsfähigem Alter bereits seit 2011. Im vergangenen Jahr lebten in dem asiatischen Staat etwa 916 Millionen Menschen zwischen 16 und 59 Jahren.

Der Demografie-Experte Mu Guangzong von der Pekinger Universität verlangte, die Grenzen für die Kinderzahl ganz abzuschaffen. "China braucht einen neuen Babyboom, um der Alterung, den niedrigen Geburtenraten und dem Arbeitskräftemangel entgegenzusteuern", sagte Mu.