Abendmahl statt Bratkartoffeln: Gasthof ist jetzt Kirche

Predigt statt Sauerfleisch - Gasthof ist jetzt Kirche

Foto: epd-bild/Benno Braatz

Der traditionsreiche "Gasthof Johnsen" in Puttgarden auf Fehmarn.

Abendmahl statt Bratkartoffeln: Gasthof ist jetzt Kirche
Nach über 370 Jahren gibt es in Puttgarden auf der Ostseeinsel Fehmarn wieder eine Kirche. Damit wurde erstmals im Norden ein Schankbetrieb in ein Gotteshaus umfunktioniert.

Predigt und Gesang statt Sauerfleisch mit Bratkartoffeln: Der traditionsreiche "Gasthof Johnsen" in Puttgarden auf der schleswig-holsteinischen Ostseeinsel Fehmarn ist seit Jahresbeginn eine Kirche. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde erwarb das Gebäude für 260.000 Euro. Rund 95 Jahre lang war der Gasthof ein Familienbetrieb. Dort, wo Bier gezapft und Gäste bewirtet wurden, wird jetzt Gottesdienst gefeiert. Der Saal ist für über 50 Personen geeignet. Darüber freut sich Pastor Benno Braatz (52).

Damit gibt es in Puttgarden wieder eine Kirche. Die 1198 erstmals urkundlich erwähnte Peter-Pauls-Kapelle wurde im Jahr 1644 von schwedischen Großseglern zerschossen und zerstört. Braatz weiß, dass seine Gemeinde mit dem Kauf einen ungewöhnlichen Schritt getan hat. Dass die großen Kirchen auf dem platten Land ein Gotteshaus eröffnen, kommt gar nicht mehr vor.

"In Puttgarden kommt die Kirche ins Dorf zurück"

Vereinzelt wurden sogar Kirchen entwidmet und verkauft. Ein Beispiel ist die ehemalige katholische Kirche Maria Königin in Ahrensbök (Kreis Ostholstein). Das 1955 eingeweihte Gotteshaus wurde jüngst an einen Bestattungsunternehmer veräußert. "In Puttgarden kommt die Kirche ins Dorf zurück", sagt Braatz.

Pastor Benno Braatz (52, l.) und das Gastwirtsehepaar Doerte (66) und Ulrich Liebold (65)
Freude herrscht auch beim ehemaligen Wirts-Ehepaar Dörte und Ulrich Liebold. Die Kinder wollten die Nachfolge nicht antreten, andere Nachfolger wurden nicht gefunden. "Schwere Arbeit und kaum Freizeit ist nicht gerade verlockend", sagt die 66-jährige Dörte Liebold. Sie und ihr Ehemann Ulrich (65) sind froh, dass sie im Altenteil gleich nebenan wohnen. Den Kontakt zu der kleinen Kirchengemeinde mit ihren rund 30 Mitgliedern allein auf der Insel Fehmarn bezeichnet sie als freundschaftlich.

Der ehemalige Gasthof mit einer Gesamtgewerbefläche von rund 700 Quadratmetern wird künftig nicht nur Kirche sein, sondern auch als Gemeindezentrum dienen, sagt Braatz. Es soll nicht nur der freikirchlichen Gemeinde, sondern auch ortsansässigen Bürgern und Vereinen als Versammlungsstätte offenstehen. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde zählt insgesamt 135 Mitglieder. Auf der Insel Fehmarn wurden die Gottesdienste vor dem Gasthof-Kauf in einem Alten- und Pflegeheim gefeiert.

Die Gemeinde will die sieben Gästezimmer des ehemaligen Gasthofs vermieten: Viele Jahre wird sie auf jeden Cent angewiesen sein. Die 260.000 Euro habe man nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt, sagt Braatz. Denn das Geld wurde bei einer Bank geliehen. Außerdem werden noch Gelder für die Renovierung fällig. Für einen Glockenturm ist jedenfalls nichts übrig.