Internationale Kirchenbünde fordern mehr Flüchtlingshilfe

Flüchtlingscamp Erbil im Irak

Foto: dpa/Mey Dudin

Flüchtlingscamp zwischen Erbil und Mossul im Irak.

Deutschland spricht 2019
Internationale Kirchenbünde fordern mehr Flüchtlingshilfe
Vor allem die Millionen Flüchtlinge im Nahen Osten brauchen vor dem Winter dringend mehr Unterstützung. Hauptaufnahmeländer wie Jordanien und Libanon stehen kurz vor dem Kollaps.

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) und der Lutherische Weltbund (LWB) haben zu mehr Engagement für Flüchtlinge aufgerufen. Die geflohenen Menschen aus Syrien, dem Irak sowie aus den Palästinensergebieten seien dringend auf Unterstützung angewiesen, erklärte der Exekutivausschuss des Weltkirchenrats am Mittwoch in Paralimni auf Zypern. LWB-Generalsekretär Martin Junge sagte in Stuttgart: "Europa muss mehr tun. Deutschland muss mehr tun."

Hauptaufnahmeländer wie Jordanien und Libanon bräuchten mehr finanzielle und materielle Hilfe, heißt es in einer ÖRK-Erklärung. Das Exekutivkomitee verwies auf die christliche Tradition, Fremden zu helfen. Die Mitglieder riefen Israel und die Palästinenser sowie die Konfliktparteien in Syrien und im Irak auf, die Gewalt zu beenden. Alle Flüchtlinge müssten in Sicherheit und in Würde in ihre Heimatländer zurückkehren können.

In Syrien und im Irak toben blutige Bürgerkriege, Millionen Menschen sind auf der Flucht. Zwischen Israel und den Palästinensern verschärften sich nach dem Gazakrieg vom Sommer in den letzten Wochen die Spannungen erneut, mehrere Menschen starben oder wurden verletzt. Der Weltkirchenrat wies auch auf das Leiden vieler Christen im Nahen und Mittleren Osten hin. Die Staaten hätten die Pflicht, ihre Rechte und Würde zu schützen. Die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" verfolgt im Irak und in Syrien sowohl Christen als auch andere religiöse Gruppen.

Junge sagte vor der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, derzeit seien weltweit rund 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Noch nie habe es nach dem Zweiten Weltkrieg eine so hohe Zahl gegeben. Bei der Flüchtlingshilfe seien auch die Kirchen gefordert, da der diakonische Einsatz genau so sehr zu ihrem Auftrag gehöre wie die Verkündigung des Evangeliums. Der LWB unterstütze direkt zwei Millionen Menschen, erläuterte Junge. Seit August arbeite der Weltbund dabei auch mit der muslimischen Hilfsorganisation "Islamic Relief Worldwide" zusammen.

Dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) gehören knapp 350 Kirchen mit über 500 Millionen Gläubigen an. Der Exekutivausschuss hat rund 20 Mitglieder und tagt zwei Mal im Jahr. Der Lutherische Weltbund vertritt über 72 Millionen Christen in 144 Kirchen. Sitz beider Kirchenbünde ist Genf.

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