Islamwissenschaftler für Beratungsstellen gegen Extremismus

Islamwissenschaftler für Beratungsstellen gegen Extremismus
Der Osnabrücker Islamwissenschaftler Rauf Ceylan hat davor gewarnt, sich bei der Vorbeugung von islamischem Extremismus zu sehr auf die Moscheegemeinden zu konzentrieren.

Es sei viel wichtiger, Beratungsstellen einzurichten, wie sie bereits in Nordrhein-Westfalen oder Bremen existierten, sagte er am Mittwoch in Osnabrück dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die weitaus meisten Jugendlichen, die sich radikalisierten, tauchten in den Gemeinden nicht auf.

Der Zentralrat der Muslime hatte die Bundesregierung zuvor aufgefordert, die Moscheegemeinden bei der Schulung von Imamen finanziell zu unterstützen. Dies könne einer möglichen Radikalisierung junger Muslime in Deutschland vorbeugen, sagte Zentralrats-Vorsitzender Aiman Mazyek der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwochausgabe).

Ceylan betonte dagegen, die Beratungsstellen seien Anlaufpunkte für betroffene Eltern, Lehrer und Sozialarbeiter. Sie müssten sich außerdem mit Schulen, Jugendämtern, Vereinen und der Polizei vernetzen. Es sei gut, Imame für diese Themen zu sensibilisieren. Aber die Radikalisierung von Jugendlichen sei nicht in erster Linie ein religiöses, sondern ein jugendspezifisches und sozialpädagogisches Phänomen. Ceylan ist stellvertretender Direktor des Instituts für Islamische Theologie an der Uni Osnabrück. Er forscht seit Jahren zu den Themen Salafismus und islamischer Extremismus.

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