Landesbischof Bedford-Strohm fordert UN-Schutzzone im Nordirak

Landesbischof Bedford-Strohm fordert UN-Schutzzone im Nordirak
Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat nach einer mehrtägigen Irak-Reise die Einrichtung einer Schutzzone für die verfolgten Christen und Jesiden durch die Vereinten Nationen gefordert.

"Die Menschen trauen sich auch in ihre von den IS-Truppen befreiten Dörfer nicht zurück", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag in einem Telefoninterview in Erbil. Die Menschen hätten Angst vor einer erneuten Rückkehr der Milizen des "Islamischen Staates" (IS). Dass diese Schutzzone nicht längst Realität sei, sei dem gegenwärtigen Zustand der Vereinten Nationen in Sicherheitsfragen geschuldet.

Die Situation der Menschen im Nordirak sei angesichts der Lage in der Ukraine aus dem Blick geraten, sagte der Landesbischof. Die Konfrontation der Großmächte dort habe sicher auch dazu beigetragen, dass im Irak außer der wichtigen humanitären Hilfe durch die UN nichts geschehen sei. "Die Mechanismen in der UN funktionieren einfach nicht", bedauerte Bedford-Strohm. Er habe sich während der Reise immer öfter gefragt, wie es sein könne, dass die Welt angesichts so einer Notsituation bisher nicht angemessen gehandelt habe. Dabei bräuchten die rund eine Millionen Flüchtlinge dort angesichts des bevorstehenden Winters weitere Unterstützung.

Bedford-Strohm berichtete auch von einem Gespräch mit muslimischen Vertretern aus der Region. Diese hätten gegen die Milizen der IS eine Fatwa erlassen und eine Mitgliedschaft in oder eine Unterstützung der IS als "unvereinbar mit dem Islam" erklärt, sagte der Landesbischof. Die Nachricht sei auch Vertretern der christlichen Parteien im Nordirak überbracht worden, erläuterte er: "Alle Religionen gemeinsam - nicht nur in dieser Region - können noch einiges tun, um sich öffentlich klar und deutlich von jeder fundamentalistischen Pervertierung ihres Glaubens zu distanzieren."

Der evangelische Theologe hat am Sonntagabend zusammen mit dem aus Mossul geflüchteten syrisch-orthodoxen Erzbischof, Nikodemus David Scharaf, Gottesdienst gefeiert. "Der Glaube ist den geflohenen Christen in der Region eine große Stütze", sagte Bedford-Strohm: "Die Menschen dort wollen, dass wir für sie beten." Das alleine reiche aber nicht aus. So könne jeder Einzelne spenden, zudem müsse man den Nährboden für jegliche Extremismen auch im Westen austrocknen, "am besten durch Bildung". Zudem forderte Bedford-Strohm erneut eine würdige und willkommene Aufnahme von Flüchtlingen in Europa.