Forderung nach mehr Tierschutz beim Kirchentag für Mensch und Tier

Forderung nach mehr Tierschutz beim Kirchentag für Mensch und Tier
Beim Kirchentag für Mensch und Tier in Dormund haben Theologen zu einer Stärkung des Tierschutzes aufgerufen.

Im Umgang mit den Tieren müsse es eine neue Ethik geben, die vom Respekt vor diesen Geschöpfen und nicht von wirtschaftlichem Profit getragen sei, erklärte der Theologe Eugen Drewermann am Wochenende in Dortmund. Ein solches Denken sei aber weniger aus der Bibel herzuleiten als vielmehr aus einer grundlegenden Verantwortung des Menschen.

Drewermann sprach sich dafür aus, bereits Kindern ein Gefühl für ein Miteinander von Mensch und Tier zu vermitteln. Schon kleine Kinder könnten im Umgang mit Tieren Schönheit erleben, Zuneigung verspüren und Achtung vor ihnen entwickeln, sagte der Publizist, der aus der katholischen Kirche ausgetreten ist. 

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Der Kirchentag in Dortmund verknüpfte von Freitag bis Sonntag mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Kulturveranstaltungen die Themen Glauben und Tierschutz. Veranstalter ist der Dortmunder Pfarrer Friedrich Laker, der die Kirchen in Deutschland zu mehr Engagement im Tierschutz bewegen will. In der kirchlichen Lehre würden Tiere meist nur als Nutztiere für den Menschen und selten als Wesen mit eigenem Wert angesehen, sagte Laker dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wir brauchen eine Theologie des Lebens und müssen wegkommen von der Theologie des Menschen."

Der evangelische Theologe Ulrich Seidel, Vorsitzender des ökumenischen Aktionskreises "Kirche und Tiere", forderte, die Kirchen sollten eindeutig Stellung beziehen, nachdem sie lange Zeit die Fragen des Tierschutzes nicht beachtet hätten. Der Theologe mahnte zur "gütigen Herrschaft" über Natur und Kreatur. In einem Beitrag für die niedersächsische "Evangelische Zeitung" vom Sonntag erläuterte Seidel: "Wenn wir Ebenbilder Gottes sein sollen, dann müsste an uns im Umgang mit Natur und Kreatur etwas ablesbar werden, was an einen gütigen Gott erinnert".

"Die einen Tiere haben das Glück, unter dem Tisch zu sitzen, andere das Pech, auf ihm zu landen", kritisierte der Pfarrer aus Brandis bei Leipzig.  Abermillionen Tiere würden in den Mastanlagen der Agrarindustrie oder in Labors gequält. In der Kirche hätten die Tiere als Mitgeschöpfe des Menschen faktisch keine Rolle gespielt, schrieb er. "Es geht nur um der Menschen Heil und Rettung. Das kommende Gottesreich wird womöglich eine riesige Menschenansammlung sein."

Moralisches Verhalten gegen Tiere beginne bei dem Leid, das Tiere ebenso fühlten wie Menschen: "Schmerzen, Einsamkeit, Gefangenschaft, Angst und Panik." Sie hätten Anspruch auf Mitleid und Mitgefühl, das edelste menschliche Gefühl. "Tiere sind Mitgeschöpfe. Das begründet ihre Würde."