Die Grundpfeiler der Kirche und das Dilemma der Bischöfe

Die Grundpfeiler der Kirche und das Dilemma der Bischöfe
Die Unruhe unter Laien und einigen Priestern in der katholischen Kirche wächst. Manche sind gar bereit zur offenen Rebellion. Angesichts von Missbrauchsskandal, Mitgliederschwund und Priestermangel hatten die Bischöfe vor eineinhalb Jahren einen breiten Dialog angekündigt, um die tiefe Krise zu überwinden und der Kirche den Weg in die Zukunft zu weisen. Doch nicht allen sind die Forderungen der Unzufriedenen geheuer, die an den Grundpfeilern der katholischen Kirche rütteln.

Die Aufhebung des Zölibats, Frauen als Priester und die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den heiligen Sakramenten - das geht vielen im Klerus entschieden zu weit. "Ich halte nichts von Initiativen, die das Fundament der katholischen Kirche von innen einreißen", sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am Rande der Deutschen Bischofskonferenz in Regensburg, die am Donnerstag zu Ende gegangen ist. An Grundpfeiler der katholischen Kirche dürfe nicht gerüttelt werden.

Das sehen nicht alle so. "Zu einem echten Dialog gehört, dass wir auch über solche Dinge diskutieren können", betont Pfarrer Andreas Artinger aus Ruhstorf bei Passau. Er gehört zu einer Gruppe von etwa zwei Dutzend Pfarrern, die sich zur Initiative "Passauer Priester im Dialog" zusammengeschlossen haben. Und diese Gruppe ist - wie etlich andere überall in Deutschland auch - durchaus bereit, an bisher in Stein gemeißelten katholischen Überzeugungen zu kratzen.

"Über Frauen im Priesteramt sprechen"

Mit Blick auf die Nachwuchssorgen der katholischen Kirche müsse über alles offen gesprochen werden - auch über Frauen im Priesteramt, fordern sie. Und das Problem ist wirklich drängend: Bei der Bischofskonferenz wurde eine Studie vorgestellt, wonach die Zahl der Studierenden im theologischen Vollstudium innerhalb von fünf Jahren um die Hälfte geschrumpft ist.

Die Haltung der Bischöfe ist zwar, in dem auf Jahre angelegten Dialogprozess alle zu Wort kommen zu lassen. "Aber man kann auch nicht nur auf seine Forderungen pochen und wenn diese nicht erfüllt werden, den Dialog als gescheitert erklären", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Zudem verweisen die Bischöfe gern auf Rom, weltkirchliche Grundsatzfragen könnten nicht im Alleingang entschieden werden.

Viele Gläubige überzeugt das nicht. Sie sind derart vom bisherigen Verlauf des Dialogs enttäuscht, dass sie schon von offener Rebellion sprechen - etwa nach dem Beispiel Österreichs, wo eine Pfarrerinitiative zum "Ungehorsam" aufgerufen hat. "Wer jahrzehntelang erfolglos um den Dialog gebettelt hat, schreitet irgendwann zur Tat", sagt Berthold Starzinger vom Aktionskreis Regensburg, einer Vereinigung von Priestern und Laien.

Wie stoppt man die Austrittswelle?

Die bundesweite Laienbewegung "Wir sind Kirche" befürchtet, dass die Glaubwürdigkeit der römisch-katholischen Kirche auf dem Spiel steht und die Austrittswelle aus der Kirchengemeinschaft anhält. Engagierten Kirchenmitglieder ließen sich nicht länger mit schönen Visionen vertrösten, wenn gleichzeitig Pfarreien wegen Priestermangels schließen und Gläubige lange Strecken zurücklegen müssen, um ihren Seelsorger zu treffen.

Magnus Lux von "Wir sind Kirche" in Würzburg sieht den derzeitigen Weg in manchen Bistümer gar als rückwärtsgewandt. Mancher Bischof verhalte sich wie im 19. Jahrhundert. "Die Gläubigen aber sind mündig geworden." Der Weg der Annäherung ist steinig. Ein neuer Impuls dazu soll vom 98. Deutschen Katholikentag vom 16. bis 20. Mai in Mannheim ausgehen. Er steht unter dem Motto "Einen Aufbruch wagen".