"Statt jammern hilft beten": Sanktionen im Iran

"Statt jammern hilft beten": Sanktionen im Iran
Sanktionen kennen die Iraner seit langem, aber dieses Mal sind die Auswirkungen drastisch spürbar. Die Währung Rial befindet sich im freien Fall. Die Angst vor einem neuen Krieg ist im Land zu spüren.

Schenkt man der iranischen Führung Glauben, so sind die verschärften Sanktionen des Westens, das drohende Ölembargo und die ganze Krise reine Panikmache. "Alles nur psychologischer Krieg, man kann iranische Ölexporte nicht einfach sanktionieren", sagt Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast. Vizepräsident Mohammad-Resa Rahimi versichert, dass die Sanktionen keinerlei Wirkung auf die hiesige Wirtschaft haben werden. Doch diesen Versicherungen schenken viele Iraner kaum noch Glauben. Denn die Zahlen und Fakten im eigenen Land sprechen eine andere Sprache.

Ein Politologe in Teheran, der anonym bleiben möchte, gibt auf die Frage nach dem politischen Klima im Land einen einfachen Ratschlag. "Schaut doch auf den Devisenkurs, denn den kann kein Politiker manipulieren", empfiehlt der Experte. Seit dem Beginn der Krise verheißt der Devisenkurs nichts Gutes. Der Wert der nationalen Währung Rial ist innerhalb von zwei Wochen um fast 35 Prozent gesunken.

Schlimmer noch: Die Menschen kaufen trotzdem immer weiter Devisen. "Diesmal scheint es ernst zu sein. Wenn wir schon im Vorfeld diese Devisenkurse haben, was passiert erst, wenn die Sanktionen in die Tat umgesetzt werden?", fragt ein Devisenhändler in Teheran.

Devisenhandel lässt Preise steigen

Konfusion herrscht auch bei den Händlern im Tadschrisch Basar im Norden Teherans. "Ich weiß gar nicht mehr, wie ich die vorherigen Preise halten soll", schimpft Taqi M., ein Textilhändler im Basar, der seine Waren aus China und der Türkei importiert. "Ich muss jetzt die Waren halt teurer verkaufen, damit ich den Kursunterschied für die nächsten Waren ausgleichen kann", meint der Händler.

Auch Baumaterial ist teurer geworden, dementsprechend steigen die Häuserpreise. "Ich habe mehrere unfertige Wohnungen vorverkauft, jetzt steigen die Baumaterialpreise, und der Gewinn ist schon weg", so der Ingenieur Hamid aus Teheran. Auch in Supermärkten steigen die Preise. "Ich weiß nur, dass ich auf einmal für den gleichen Einkauf erheblich mehr bezahlt habe", klagt die Haufrau Asam. Die Supermarktbesitzer behaupten, sie könnten nichts dafür. "Anstatt jammern lieber beten, dass es nicht noch schlimmer wird", sagt einer von ihnen.

Das Parlament will nun all die "illegalen Devisenhändler" vom Markt nehmen, um den Devisenkurs zu normalisieren. "Tolle Maßnahme", sagt ein anderer Devisenhändler sarkastisch. "Ich erinnere mich an meine Schulzeit. Da habe ich schwierige Mathematikaufgaben auch immer wegradiert, wenn ich die nicht lösen konnte."

Iranische Generäle drohen mit einer Hormus-Blockade

Von entscheidender Bedeutung für die iranische Wirtschaft sind die Ölexporte. Sie machen über 70 Prozent des nationalen Einkommens aus. Sanktionen in diesem Bereich könnten schlimme wirtschaftliche Folgen haben. Das gilt besonders, wenn sie neben der Europäischen Union auch von Stammkunden wie China, Indien, Japan und Korea mitgetragen werden.

Der Iran versucht daher, entweder mit den Weltmächten die Verhandlungen über den Atomstreit als Hauptauslöser der ganzen Sanktionen wieder aufzunehmen, oder den Westen und die Nachbarn vor den Folgen abzuschrecken. So sind die Warnungen an die arabischen Golfstaaten zu verstehen, sollten sie die durch das Embargo entstehenden Lieferausfälle auszugleichen versuchen. Iranische Generäle drohen, die Straße von Hormus zu blockieren. Über die Meeresenge im Persischen Golf werden rund 40 Prozent des globalen Ölbedarfs transportiert. US-Präsident Barack Obama soll in einer Botschaft an die iranische Führung klargestellt haben, dass dies eine Provokation und Überschreitung der roten Linie wäre.

"Bei einer Hormus-Blockade würde man erst schießen und dann vielleicht, vielleicht reden", meint ein ausländischer Diplomat in Teheran. Über neue militärische Spannungen sorgen sich besonders die Menschen in den Städten am Persischen Golf. "Nein, bloß nicht wieder ein Krieg, unser Leben hat sich gerade normalisiert, wir habe keine Energie mehr", sagt der Händler Rassul (58) im südlichen Choramschahr. Die Hafenstadt war für acht Jahre bis 1988 Schauplatz des Kriegs gegen den Irak.

dpa