In der Gemeinde: Dämmung, Regenwasser, Sonnenstrom

In der Gemeinde: Dämmung, Regenwasser, Sonnenstrom
Kirchen haben eine besondere Verantwortung und eine Vorbildfunktion. Doch Kirchen haben auch wenig Geld. Sollten sie dennoch in Gebäudedämmung investieren? Sollten Gemeinden auf Ökostrom setzen, auch wenn der teurer ist als Energie aus konventionellen Anlagen? - Diese Pfarrerin sagt entschieden: ja.

Die Evangelische Petrusgemeinde in Urberach, einem Ortsteil von Rödermark im Rhein-Main-Gebiet, ist auf Ökostrom umgestiegen. "Wir haben den Auftrag, die Schöpfung zu erhalten", sagt Pfarrerin Sonja Mattes. So fiel der Kirche die Kosten-Nutzen-Rechnung leicht: Als christliche Gemeinde wollten die Urberacher keinen Strom aus Atomkraftwerken mehr beziehen. Der Gedanke, den Alltag umweltgerecht zu gestalten, ist fest verwurzelt in der Kirche.

Eine der ersten Photovoltaikanlagen

Ihr Vorgänger im Pfarramt hatte das Thema Ökologie immer wieder auf den Plan gebracht, erläutert die 34-Jährige. Das habe Ende der achtziger Jahre begonnen, als es durch die Tschernobyl-Katastrophe für das ökologische Bewusstsein eine besondere Sensibilität gegeben habe. Die Kirchengemeinde in Urberach ist nach dem Zweiten Weltkrieg in einer katholisch geprägten Gegend gegründet worden: "Wir haben hier keine 500-jährige Tradition", meint Mattes: Vielleicht liege es daran, dass die Kirchenmitglieder die Themen schnell verinnerlicht hätten.

So war die Petrusgemeinde eine der ersten Kirchen in der gesamten Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, die eine Photovoltaikanlage installiert hat, um selbst Strom zu produzieren. Seit nunmehr 15 Jahren speist die Anlage rund die Hälfte des Stroms ein, den die Gemeinde im Jahr verbraucht. "Bei uns stehen die Solarzellen sogar auf dem Kirchendach", sagt Matthes - und fügt hinzu, dass das auch heute noch eher selten sei. Auf den Gemeindehäusern vieler anderer Kirchen im Kirchenkreis hingegen stehen inzwischen ähnliche Anlagen – auch weil das Dekanat Rodgau und die Landeskirche den Umweltgedanken unterstützen. Die Synode hat beschlossen, bis 2015 ein Viertel der CO2-Emissionen einzusparen, bezogen auf das Jahr 2005. Auch die Versorgungs- und Pensionskasse der EKHN investiert inzwischen in Photovoltaikanlagen auf Kirchendächern.

Umweltbedachtes Bauen

Immer wenn in der Gemeinde ein Gebäude zu renovieren sei, werde zusammen mit der Kirchenverwaltung geplant. "Vor sieben Jahren wurde das Gemeindehaus und vor zwei Jahren das Pfarrhaus umgebaut", sagt die Pfarrerin, die sich mit ihrem Mann die Pastorenstelle teilt. Wände und Dachstühle wurden gedämmt, die Toiletten sind an eine Regenwasserzisterne angeschlossen. In drei Jahren sei die Sanierung des 54 Jahre alten Kirchengebäudes an der Reihe. In dem Zusammenhang werde die inzwischen in die Jahre gekommene Photovoltaikanlage erneuert. "Leider fördert die Landeskirche hier aber nicht den Einbau einer Dämmung", sagt Mattes. Aus eigenen Mitteln kann die Gemeinde das wohl nicht stemmen.

Die Pfarrerin findet es gut, dass es in anderen Landeskirchen den "Grünen Hahn" als kirchliches Gütezeichen für umweltbewusste Gemeinden gibt: "Das ist ein Stücken Anerkennung." Ähnlich wie bei den hinter diesen Label stehenden Umweltmanagementsystemen anderer Landeskirchen kann auch die Petrusgemeinde ihren Stromverbrauch erfassen und an eine zentrale Stelle melden. Am Ende des Jahres bekommt die Kirche dann Ergebnisse zurück – mit Tipps, was noch verbessert werden kann, erklärt Mattes: Der vor Jahrzehnten angestoßene Prozess gehe immer weiter. Der eigentliche Anstoß, vom konventionellen zu einem Ökostromtarif zu wechseln, kam von Dekanat Rodgau. Bis vor drei Jahren hatte die Gemeinde zwar eigenen Ökostrom in das Netz eingespeist und vergütet bekommen, jedoch weiterhin Strom aus Anlagen wie Kohle oder Kernkraft bezogen. "Dann haben wir gesagt: Wir machen jetzt den Wechsel."

Umweltschutz - eine Selbstverständlichkeit

Als "grüne" Gemeinde will Mattes ihre Kirche nicht unbedingt bezeichnen. Ihr Vorgänger sei in der Tat bei den Grünen engagiert gewesen und habe einmal sogar einmal eine Wahlparty in Gemeindehaus veranstaltet. Das habe damals Wellen geschlagen. Auch heute noch werde die Gemeinde von einigen im Ort hinter vorgehaltener Hand in diese Ecke gestellt. "Als Volkskirche sind wir für alle da", sagt Mattes.

Das ökologische Bewusstsein werde von den rund 2.500 Mitglieder mit einer Selbstverständlichkeit gelebt: Das Auto der ehrenamtlichen Essensausgabe fährt mit Erdgas, der Gemeindebrief wird auf Recyclingpapier gedruckt, Zeitschaltuhren löschen automatisch das Licht. Und genau so selbstverständlich, wie das in dieser Gemeinde sei, so setze sich der Gedanke auch in der ganzen Landeskirche und bei den Gemeindemitgliedern durch, bilanziert Mattes.


Thomas Paterjey studiert in Hannover und arbeitet als freier Journalist.