Land unter in Australien: Kein Ende der Flut in Sicht

Land unter in Australien: Kein Ende der Flut in Sicht
An der australischen Ostküste kämpfen die Menschen weiter gegen die Fluten: Die 75.000 Einwohner von Rockhampton sind inzwischen auf die Armee angewiesen. In den Häusern lauert neue Gefahr: Schlangen. Und deutsche Touristen bleiben in einem Fluss voller Krokodile stecken.

Die Überschwemmungskatastrophe in Australien hat die Küstenstadt Rockhampton weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Am Montag überfluteten die Wassermassen des Fitzroy- Flusses wie befürchtet die Innenstadt. 150 Häuser seien bereits vollgelaufen, und bei mehreren tausend Gebäuden schwappe das Wasser bereits an die Stufen, sagte die Regierungschefin des Bundesstaates Queensland, Anna Bligh.

Bligh war selbst vor Ort, um die Hilfsmaßnahmen für die 75.000 Einwohner zu koordinieren. Die Armee brachte noch Konvois mit Lebensmitteln in die Stadt, ehe auch die letzte Zufahrtstraße gesperrt werden muss. Die Stadt dürfte dann tagelang nur noch per Boot und Helikopter zu erreichen sein. Die Regierungschefin sprach im Rundfunk von einem Desaster nie dagewesenen Ausmaßes. Queensland sei als tropischer Bundesstaat Überschwemmungen gewohnt. Es sei aber noch nie passiert, dass alle Flüsse gleichzeitig Hochwasser führten.

Das Aufräumen wird Monate dauern

Das Überschwemmungsgebiet ist so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen. Die Region ist aber dünn besiedelt: Viele Viehstationen liegen im Outback oft mehr als 100 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt. Rund 200.000 Menschen sind insgesamt von der Katastrophe betroffen. Drei Menschen ertranken seit dem Wochenende. Höhere Opferzahlen einzelner Medien bezogen sich auf längere Zeiträume.

Unterdessen wurden am Montag vier deutsche Touristen aus einem Fluss voller Krokodile gerettet. Die vier wollten trotz Warnungen im Kakadu-Nationalpark bei Darwin über eine überschwemmte Straße fahren, die bei Niedrigwasser über den Magela-Fluss führt, wie die Polizei berichtete. Sie blieben in der Mitte stecken, weil ihr Motor ausfiel, und flüchteten sich erschrocken auf das Wagendach. Es dauerte 30 Minuten, bis die Polizei sie in Sicherheit gebracht hatte.

Premierministerin Julia Gillard versprach den Opfern, die Felder und Häuser verloren haben, Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen. "Dies ist eine große Naturkatastrophe, und es wird eine ganze Weile dauern, bis wir uns davon erholt haben", sagte sie. "Die Aufräumarbeiten dürften drei bis sechs Monate dauern", sagte der Katastrophenkoordinator Ian Stewart im Rundfunk. Eine neue Sturmwarnung wurde am Montagabend aufgehoben. Das Wettersystem schwächte sich im Laufe des Tages ab.

Größtes Problem: Die Versorgung - und die Schlangen

Während sich die Situation im Landesinnern entspannte, rüsteten sich die Rockhamptoner für mindestens eine weitere Krisenwoche. Manche Messstationen meldeten Wasserpegel von acht Metern über dem Meeresspiegel. So hoch steht das Wasser allerdings nicht, vielmehr breitet es sich in der Fläche aus. Überall wateten die Menschen mit Körben auf dem Kopf durch das Wasser, um Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen. "Wir rechnen mit dem Wasserhöchststand in den nächsten 48 Stunden", sagte Rockhamptons Polizeichef Ian Stewart am Montagmorgen. "Gott sei Dank hat die Stadt einige Anhöhen, und wenn die Einwohner auf die Anweisungen hören, hoffen wir, keine Todesopfer beklagen zu müssen."

Außer dem Highway Richtung Norden, über den die Armee die Nahrungsmittel in die Stadt schleuste, waren alle Wege nach Rockhampton abgeschnitten. Bahnhof und Flughafen sowie alle anderen Zufahrtsstraßen waren gesperrt. Die eine Straße war eigentlich nur noch für abreisende Einwohner offen gehalten worden. Sie dürfte spätestens Mittwoch überflutet sein und gesperrt werden.

Nach Angaben von Bürgermeister Brad Carter hatte die Stadt mit der Lieferung genügend Lebensmittel und Medikamente für mehr als eine Woche. Der Gesundheitsdienst stockte seine Vorräte von Schlangen- Gegengift auf, berichtete die Zeitung "Australian". In den Überschwemmungsgebieten werden immer mehr Reptilien gesichtet, die sich etwa in trockenen Häusern einnisten. Viele australische Schlangen sind höchst gefährlich.

dpa