Evangelische Kirche gegen Atommüll in Gorleben

Evangelische Kirche gegen Atommüll in Gorleben
Wenn am Wochenende in Gorleben 30.000 Menschen gegen den Castor-Transport protestieren, sind auch viele evangelische Christen dabei. Sie treffen sich in einem Waldstück zum Gebet, betreuen die Demonstranten als Seelsorger oder gehen wie jeden Sonntag in ihre Kirche in Gartow. Im Wendland gehört der Protest gegen ein Atommüllendlager fast zum Glaubensbekenntnis.

Die Kirchengemeinde Gartow hat gegen die Erkundungsarbeiten im Salzstock Gorleben Klage eingereicht. Das konnte sie, weil sie ein Grundstück beim Erkundungsbergwerk und damit auch Salzrechte besitzt. "Wir haben nicht das Vertrauen, dass ergebnisoffen erkundet wird", sagt Pfarrer Eckhard Kruse. Zusammen mit anderen Klägern hat die Gemeinde einen vorläufigen Erkundungsstopp erwirkt. Der Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg steht hinter der Kirchengemeinde.

[linkbox:nid=25289;title=Die Chronologie des Atomlagers Gorleben]

Propst Stephan Wichert-von Holten sagte dem epd, die Menschen im Wendland fühlten sich brüskiert und verunsichert. "So geht man nicht mit Menschen um". Der Kirchenkreistag hat die Klage der Gemeinde in Gartow sogar durch einen Beschluss im Jahr 2007 mit vorbereitet: Er forderte "ein ergebnisoffenes und transparentes alternatives Standortsuchverfahren für die Entsorgung hochradioaktiver wärmeentwickelnder Abfälle unter Partizipation der Bevölkerung". Der soziale Friede in der Region werde gestört, die Entsorgungsfrage sei bisher nicht gelöst, und an der Eignung des Salzstocks Gorleben bestünden erhebliche Zweifel.

Landeskirche und EKD stehen hinter Gartow

Der Kirchenkreis hat die hannoversche Landeskirche damals gebeten, die Forderungen zu unterstützen - und das tut die Landeskirche. Sie verlangt in einer Erklärung von November 2009 sowie aktuell in einer Pressemitteilung zur Klage, dass auch andere Standorte erkundet werden und die Bürger im Wendland mitreden dürfen. Auch vom amtierenden Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider, erhalten die protestierenden Gemeinden in Lüchow-Dannenberg Unterstützung: "Die EKD wird hier keine abweichende Position einnehmen. Die Endlagerung ist nicht vernünftig gelöst. Die Sicherheit des Salzstocks in Gorleben ist nicht hinreichend gewährleistet. Aber auch die gesamte Atomtechnologie selbst ist kaum zu verantworten angesichts des Risikos, strahlendes Material über einen unübersehbar langen Zeitraum lagern zu müssen", sagte Schneider im Interview mit der "Frankfurter Rundschau".

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Schneider forderte ein schnellstmögliches Ende der atomaren Energiegewinnung und sprach sich gegen eine Verlängerung der Laufzeiten aus, wie sie die Regierung gerade beschlossen hat. Mit Blick auf die Proteste gegen den Castor-Transport bezeichnet Schneider Gewalt als "nicht akzeptabel". Für die Reaktionen des Staates müsse "die Verhältnismäßigkeit der von ihm eingesetzten Zwangsmittel gelten."

Auf der Synode der EKD im Oktober 2008 wurde sogar ein Beschluss zur Atomenergie gefasst. Darin heißt es: "Kernenergie ist kein verantwortlicher Beitrag zum Klimaschutz und behindert den notwendigen Umbau der Energieversorgung. (…) Es muss möglichst schnell ein vernünftiger Weg zur Lösung der Endlagerproblematik gefunden werden."


Anne Kampf ist Redakteurin bei evangelisch.de und zuständig für die Ressorts Politik und Gesellschaft.